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Tempolimit auf Autobahnen: Versicherungswirtschaft schlägt Großversuch vor

Ein Unfallforscher der Versicherungen fordert einen großen Praxistest, um die Wirkung eines Tempolimits zu untersuchen. In Deutschland gebe es hier eine Lücke.

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Pkw und Lkw passieren eine Mautbrücke auf der A14 im Norden von Leipzig.

(Bild: dpa, Jan Woitas/Archiv)

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Die deutsche Versicherungswirtschaft steigt in die Debatte um ein mögliches Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen ein und schlägt einen groß angelegten Praxistest vor, in dem die Auswirkungen einer allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzung untersucht werden sollen. Damit solle geklärt werden, ob die Maßnahme tatsächlich zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führe, sagte ein Unfallforscher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Der Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft Siegfried Brockmann erklärte gegenüber dem RND: "Wir brauchen dringend einen Großversuch, um zu klären, ob ein Tempolimit auf Autobahnen wirklich zu einem deutlichen Mehr an Sicherheit führt und, wenn ja, wieviel." Bisher seien die Wirkungen wissenschaftlich nicht umfassend untersucht worden. In dieser Hinsicht gebe es in Deutschland eine Lücke, sagte Brockmann. In der politischen Debatte suche sich jeder den Befund heraus, der gerade der eigenen Meinung entspreche.

Das Funktionieren eines Tempolimits müsse in der Praxis untersucht werden, forderte der Unfallforscher. "In der Theorie scheint die Sache ja klar zu sein: Je geringer die Geschwindigkeiten auf den Autobahnen und je geringer der Geschwindigkeitsunterschied zwischen zwei Fahrzeugen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es zu weniger Unfällen mit Toten und Verletzten kommt", sagte Brockmann. In der Praxis sei die Sache jedoch vielschichtiger.

Man werde da einiges austarieren müssen – etwa, was die richtige Geschwindigkeit für ein generelles Tempolimit wäre: 120, 130 oder 150 km/h seien mögliche Werte. Selbst bei 150 km/h hätte man das Problem der hohen Differenzgeschwindigkeiten minimiert, sagte Brockmann. Autobahnen seien prinzipiell zum schnellen Fahren gedacht, was vielleicht in der verkehrsschwachen Zeit auch möglich sei. "Man könnte das Tempolimit auf die Zeit zwischen 6 Uhr morgens und 22 Uhr abends beschränken oder es je nach Verkehrsaufkommen auf bestimmten Strecken steuern."

Die Debatte um ein Tempolimit auf den Autobahnen war von der SPD Anfang Dezember angestoßen worden, flammte um die Weihnachtszeit erneut auf und wird derzeit kontrovers geführt. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnte eine Begrenzung ab und begründete dies unter anderem damit, dass es dafür keine Mehrheit gebe. Allerdings meldeten sich auch mehrere Befürworter der Maßnahme: Die Gewerkschaft der Polizei forderte kürzlich ein unabhängiges wissenschaftliches Gutachten, um die Debatte mit validen Zahlen führen zu können. Die Gewerkschaft befürwortet ein Tempolimit, weil es das Unfallrisiko senke.

Auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) bekannte sich zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen, wodurch die Unfallzahlen und der CO2-Ausstoß sinken würden. Politiker von der FDP und den Unionsparteien kritisierten das Vorhaben scharf. Ein CSU-Verkehrspolitiker verwies darauf, dass Deutschland die sichersten Autobahnen habe. Ein Verkehrspolitiker von der FDP wiederum wollte Tempolimits von Wetter und Verkehrslage abhängig machen. (tiw)