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Terrorbekämpfung: Deutsche Telekom will Einschränkungen beim Verkauf von Prepaid-SIMs

Terroristen hatten in Ungarn offenbar ein Depot mit 200.000 Prepaid-SIMs angelegt und diese für ihre Kommunikation genutzt. Die Deutsche Telekom fordert deshalb nun europaweit mehr Beschränkungen bei Prepaid-SIM-Karten.

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(Bild: dpa, Jochen Luebke)

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Die Deutsche Telekom plädiert für europaweite Einschränkungen beim Verkauf von Prepaid-SIM-Karten. "Eine Registrierung mit Identifizierung sowie eine Limitierung der Kartenmenge pro Kauf sind Möglichkeiten, die im politischen Diskussionsprozess erörtert werden sollten“, sagte der unter anderem für Datenschutz zuständige Telekom-Vorstand Thomas Kremer gegenüber der Wirtschaftswoche. Das soll verhindern, dass Terroristen die Karten für ihre Zwecke missbrauchen.

Grund für den Telekom-Vorstoß ist laut der Wirtschaftswoche, dass Mitglieder der Terrororganisation IS in Ungarn insgesamt 200.000 SIMs gehortet hatten – alle registriert auf den Namen eines toten Obdachlosen. Die meisten der Karten stammten wohl von der ungarischen Telekom-Tochter Magyar Telekom. Einige davon sollen auch bei erschossenen Attentätern in Paris und Brüssel gefunden worden sein. Die Terroristen legen solche SIM-Depots an, damit sie bei jedem Telefonat die Karte wechseln können. Damit wollen sie Abhörmaßnahmen entgehen.

Für deutsche Verbraucher hätte eine solche europäische Initiative eher wenig Konsequenzen: Auf sie kommen Einschränkungen, wie die Telekom sie fordert, sowieso schon ab Mitte dieses Jahres zu. Denn ab 1. Juli gilt die im Anti-Terror-Paket der Bundesregierung festgelegte Ausweispflicht beim Kauf einer Prepaid-SIM. Dazu gelten auch noch erweiterte Dokumentationspflichten für Händler und Netzbetreiber.

Die "verschleiernde Nutzung" vorausbezahlter Karten bei der Kommunikation in kriminellen und terroristischen Strukturen "stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar", hatte das Bundesinnenministerium zu dem Maßnahmenpaket erklärt. Mit den neuen Vorschriften werde "die Aufklärung von Netzwerkstrukturen" nicht länger auf diese Weise erschwert.

[UPDATE, 5.01.2017, 15:35]

Die Wirtschaftswoche musste die in ihrem Bericht genannte Zahl korrigieren: Es waren nicht 20.000 sondern 200.000 SIM-Karten im Besitz der Terroristen. Die Meldung wurde entsprechend angepasst. (axk)