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Teslas Quartalsgewinn ist ein Kniff des Buchhalters

Nach langer Durststrecke überraschte Tesla mit einem Quartalsgewinn. Doch der beruht auf unorthodoxer Buchhaltung, wie eine Analyse der Finanzzahlen zeigt.

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Luxuskarosse Tesla S

(Bild: Tesla)

Erst zum zweiten Mal seit dem Börsengang 2010 hat Tesla einen Quartalsgewinn geschafft. Doch das beruht auf einem buchhalterischen Dreh, wie sich bei eingehender Analyse des Quartalsberichts zeigt. Denn Tesla verbucht in dem Quartal 139 Millionen US-Dollar aus "ZEV credit sales". Das ist ein Einmaleffekt, dessen Zeitpunkt sich das Management ausgesucht hat. Die 139 Millionen übersteigen den Nettogewinn von 22 Millionen Dollar deutlich.

Das Kürzel ZEV steht für Zero Emission Vehicle(s), also Fahrzeuge, die vor Ort keine Abgase ausstoßen. "ZEV credits" sind eine von drei wesentlichen Steuergutschriften, die in den USA den Verkauf von Elektroautos versüßen. Weil es bei Tesla keinen zu versteuernden [Update]Fahrzeugemissionen[/Update] gibt, verkauft es die Steuergutschrift an ein anderes Unternehmen, das damit seine Steuerlast senkt.

Entgegen der Gepflogenheit verbucht Tesla die ZEV credits nicht dann, wenn es ein Auto verkauft und die Subvention verdient, sondern es legt sie auf die hohe Kante. Hat sich dort eine erhebliche Summe angesammelt, verkauft Tesla die ZEV credits und verbucht sie erst dann als Einnahme. Das führt zu leicht höheren Verlusten in mehreren Quartalen und dann zu einem deutlich verbesserten Ergebnis in einem einzelnen Jahresviertel.

Dazu kommt, dass diese Einnahmen als Umsätze aus dem Fahrzeugverkauf verbucht werden, nicht etwa als Sonstige Einnahmen. Weil die ZEV credits aber aus mehreren Quartalen angesammelt wurden, verschleiert das den wahren durchschnittlichen Verkaufspreis und die echte Bruttomarge des jeweiligen Quartals.

Die Methode ist auch im Vergleich mehrerer Quartalsberichte zu erkennen. Im Vorquartal hatte Tesla praktisch keine Einnahmen aus dem Verkauf der ZEV-Subventionen. Klar, sie wurden ja angespart. Im laufenden Quartal erwartet die Firma ebenfalls keine nennenswerten Einnahmen aus diesem Geschäft. Auch klar, der Sparstrumpf ist ja geleert worden.

Neben dem Reingewinn von 22 Millionen US-Dollar weist Tesla auch einen Free Cash Flow von 176 Millionen Dollar aus. Der ist auch nach Abzug der 139 ZEV-Millionen positiv. Was Tesla als gute Nachricht verkauft, ist keine: Offenbar liegt der Bau der riesigen Gigafactory in Nevada deutlich hinter dem Zeitplan. Oder das Bauprojekt ist unerwartet um Hunderte Millionen billiger geworden, und Tesla-Chef Musk hat das in seiner bescheidenen Art für sich behalten.

1953 baute die DDR diese Elektrowagen für den Briefkastenentleerungsdienst.

(Bild: Bundesarchiv, Bild 183-21519-0005 / Funck, Heinz / CC-BY-SA 3.0)

"Der Bau der Gigafactory und die Entwicklung des Model 3 liegen beide im Plan, um die Produktion des Model 3 in Stückzahlen und Auslieferungen in der zweiten Jahreshälfte 2017 zu unterstützen", heißt es in Elon Musks Brief an die Tesla-Aktionäre. Die Gigafactory soll aber nicht nur das Model 3 "unterstützen", sondern darüber hinaus Akkus für Eigenheim-Energiespeicher und andere Anwendungen produzieren. Die werden wohl länger warten müssen.

Noch am 3. August hatte Tesla angegeben, bis Jahresende mehr als 1,5 Milliarden Dollar investieren zu wollen, "um den beschleunigten Produktionsplan für das Model 3 zu unterstützen". Tatsächlich geworden sind es im dritten Quartal aber nicht einmal 248 Millionen. Da fehlt ungefähr eine halbe Milliarde Dollar.

Und tatsächlich hat Tesla die Investitionsprognose für 2016 um 450 Millionen Dollar reduziert, ohne darauf gesondert hinzuweisen. Der positive Free Cash Flow war also so nicht geplant.

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Teslas Aktionäre sollen bald über die Fusion mit SolarCity abstimmen. Die Stimmungsaufhellung durch den Quartalsgewinn kommt da gerade recht.

Dazu könnte noch ein anderer Grund kommen: Das Tesla-Management profitiert von Bonusprogrammen. Wenn die Bruttomarge der Fahrzeuge gewisse Werte erreicht, können die Manager Tesla-Aktien zum Schleuderpreis kaufen. Hier kommt wieder der buchhalterische Dreh zu tragen: Weil die ZEV-Credits als Einnahmen aus dem Fahrzeugverkauf verbucht werden und aus mehreren Quartalen gesammelt einem Quartal zugeschlagen werden, ist die Bruttomarge im dritten Quartal künstlich hoch ausgefallen. Ein Schelm, wer böses denkt.

Update 8:57 Uhr: Steuergrundlage korrigiert (ds)