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Test: DSLR-Vollformat-Kameras Nikon D850 und Canon EOS 5D Mark IV im Vergleich

Mit der D850 hat Nikon eine Nachfolgerin für die erfolgreiche D810 vorgestellt. Im Test tritt die neue Vollformat-Kamera gegen Canons EOS 5D Mark IV an und muss zeigen, wie sich ihre gewaltige Auflösung von über 45 Megapixeln im Labor schlägt.

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Test: DSRL-Kameras Nikon D850 und Canon EOS 5D Mark IV im Vergleich

Inhaltsverzeichnis

Im Portfolio der beiden Spiegelreflex-Marktführer sind die Nikon D850 und die Canon EOS 5D Mark IV sowohl für Studiofotografen als auch für Landschaftsfotografen interessant. Als Allroundkameras kombinieren sie umfangreiche Ausstattung, robustes Gehäuse und hohe Auflösung. Die Canon-Kamera erschien 2016, mit der D850 hat Nikon nun eine Nachfolgerin der drei Jahre alten D810 präsentiert.

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Mit mehr als 45 Megapixeln erreicht die D850 eine Auflösung, die bei den Vollformat-DSLRs nur Canons EOS 5 DS R (50,6 Megapixel) übertrifft. Im Unterschied zu dieser punktet die D850 mit einer Serienbildrate von bis zu neun Bildern in der Sekunde (mit optionalem Batteriegriff), die die Vollformatkamera für Sportfotografie fit macht. Sportboliden wie die Nikon D5 oder Sonys Alpha 9 liefern noch mehr Bilder in der Sekunde, allerdings nur bei der halben Auflösung.

Ausstattung

Als jeweiliges Spitzenmodell – abseits der Sportkameras Canon EOS 1 DX und Nikon 5D – bieten die D850 und 5D Mark IV umfangreiche Ausstattungen. Angefangen bei den zahlreichen Bedienelementen, die Umwege über Displaymenüs ersparen, liefern die Kameras zahlreiche Komfortfeatures. Nikon beleuchtet die Bedientasten links neben dem Display, eine Hilfe bei der Arbeit im dunklen Studio oder abendlichen Außenaufnahmen. Allerdings hätte Nikon gleich allen Tasten eine Beleuchtung spendieren können

Handling: Hat man sich mit der Bedienung auseinandergesetzt, findet man alle Tasten auch mit der Kamera am Auge. Bei Nikon (links) genausogut wie bei Canon (rechts).

Hat man die Bedienung verinnerlicht, findet man bei beiden Modellen benötigte Tasten auch mit der Kamera am Auge: Die großen Gehäuse bieten genug Platz, um häufig benötigte Funktionen auf eigenen Schaltflächen unterzubringen. Eine weitere Erleichterung im Fotoalltag ist der eingebaute Okularverschluss. Bei der Arbeit mit Fernauslöser und besonders bei Langzeitbelichtungen kann man hiermit den Lichteinfall über den Sucher verhindern und muss nicht erst lange nach der passenden Kappe suchen.

Gut geschützte Gehäuse

Wie es sich in dieser Preisklasse gehört, sind beide Kameragehäuse aus einer robusten und leichten Metalllegierung gefertigt und gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser abgedichetet. Nikon legt bezüglich der Sensorauflösung kräftig vor und spendiert der D850 einen rückseitig verdrahteten CMOS-Vollformatsensor mit 8256 × 5504 Pixeln, was 45,4 Megapixeln entspricht. Die Canon EOS 5D Mark IV liefert bei gleicher Sensorgröße 6720 × 4480 Pixel (30,1 Megapixel).

Nur mit hochwertigem Objektiv kann man die hohe Auflösung der D850 ausnutzen. (Nikon D850 | Zeiss 100mm | ISO 64 | f/5.6 | 6 s)

Mit steigender Pixelzahl sinkt die Größe der einzelnen Pixel, was direkten Einfluss auf Dynamikumfang und Rauschverhalten hat. Obendrein steigt der Anspruch an die Qualität der verwendeten Objektive, will man das Auflösungspotenzial ausreizen: Ähnliche Erfahrungen mussten wir bereits mit der Canon EOS 5 DS machen, die für perfekte Bildergebnisse auf einem Stativ platziert werden muss. Solche Probleme konnten wir bei der D850 nicht feststellen. Zwar ist das Fotografieren aus der Hand anspruchsvoller, mit stabilisierten Objektiven und kürzeren Verschlusszeiten kann man Verwacklungen aber in den Griff bekommen.

Beim Autofokus nutzt Nikons Flaggschiff das Fokusmodul der Profikamera D5. Hiermit kann der Fotograf über 153 Fokusfelder scharfstellen, von denen 99 als besonders empfindliche Kreuzsensoren arbeiten. Zusammen mit einem geeigneten Objektiv erlaubt die Kamera das sogenannte „Focus Stacking“, bei dem mehrere Fokuspunkte automatisch abgefahren und abfotografiert werden, um später zu einer Aufnahme mit hoher Schärfentiefe kombiniert zu werden.

Die Canon EOS 5D Mk IV bietet im Vergleich 61 Messfelder mit 41 Kreuzsensoren. Im LiveView greift die Canon-Kamera auf ihren Dual-Pixel-CMOS-Sensor zurück, Vorteile ergeben sich damit aber vor allem im Video-Betrieb.

WLAN und Display

Eine weitere Neuerung im Vergleich zur Vorgängerin D810 ist das integrierte WLAN der Nikon-Kamera. Dieses setzt allerdings auf Nikons „SnapBridge“ auf, was bedeutet, dass die Verbindung zum Smartphone über Bluetooth aufgebaut und bei Bedarf auf WLAN umgeschaltet wird. Die Kamerasteuerung über die Nikon-App hat nur einen begrenzten Funktionsumfang, sodass man für die schnelle Übertragung im Studio auf den optionalen WLAN-Adapter setzen sollte. Ebenso optional ist das GPS-Modul; hier kann die Canon EOS 5D Mark IV punkten, denn sie bietet sowohl WLAN als auch integriertes GPS.

Dass bei einem Topmodell nicht nur die Sensorauflösung, sondern auch die Displayauflösung hoch sein sollte, versteht sich von selbst. Hier ist die Nikon D850 gegenüber der Canon 5D Mk IV klar im Vorteil. Sie bietet auf ihrem neigbaren Touchdisplay eine Auflösung von 2,359 Mio. Bildpunkten, bei der Canon-Kamera sind es auf dem fest verbauten Touchdisplay 1,620 Mio. Bildpunkte. Dass sich das Display der D850 nach oben und unten neigen lässt, erleichtert das Fotografieren im Liveview aus ungewöhnlichen Perspektiven.

Display: Bei beiden Kameras erleichtern Touchdisplays die Bedienung.

Filmreif

Da Vollformat-Kameras aufgrund ihres großen Sensors gerne auch von Filmern eingesetzt werden, bieten aktuelle Kameras auch hochauflösende Bewegtbilder. Beide Kameras im Testfeld filmen mit UHD-Auflösung, die D850 liefert dabei 3840 × 2160 Bildpunkte mit 30 Bildern in der Sekunde, bei der 5D Mk IV sind es 4096 × 2160 Bildpunkte mit 29,97 Bildern pro Sekunde. Um die anfallenden Datenmengen im Griff zu behalten, setzen beide Kamera-Hersteller auf zwei Kartenfächer. Nikon kombiniert ein XQD-Kartenfach mit einem Fach für SD-Karten (UHS-II). Die XQD-Karten sind mit ihrer Schreibgeschwindigkeit von bis zu 400 MByte/s perfekt für schnelle Bildserien und hochauflösende Videoaufnahmen geeignet. Pro Raw-Foto fallen etwa zwischen 55 Mbyte – 75 MByte an Daten an. Die SD-Karte kann zum Beispiel als Backup-Medium für JPEG-Bilder genutzt werden, die gleichzeitig mit den Raws gespeichert werden.

Die 5D Mark IV ist ebenfalls mit zwei Speicherkartenfächern ausgerüstet und kann CompactFlash(CF)- und SD-Karten (UHS-I) beschreiben. Im Vergleich mit XQD hinkt CF bei der Schreibgeschwindigkeit deutlich hinterher (etwa 125 MByte/s) und auch die geringere Auflösung der Canon-Kamera gleicht die geringere Geschwindigkeit nicht aus, denn die Raw-Bilder nehmen im Durchschnitt noch mehr Speicherplatz in Anspruch (60 Mbyte – 93 MByte) als die Bilder der D850. Auch bei der EOS 5D Mk IV kann das zweite Kartenfach für Backups genutzt werden.

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