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Test: Spezial-Kamera Mevo Plus für Live-Streaming via Youtube, Facebook und Co

Die Streaming-Kamera Mevo Plus soll einfach zu bedienen sein und dennoch so viel kreativen Freiraum bieten wie ein Profi-System.

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Test: Spezial-Kamera Mevo Plus für Streaming-Einsätze

Streaming-Kamera Mevo Plus

(Bild: Livestream)

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Fürs Live-Streaming genügt ein Smartphone oder – für professionelle Zwecke – eine Kamera samt geeignetem Videomischer. Die Streaming-Kamera Mevo Plus liegt genau dazwischen. Äußerlich erinnert die Mevo Plus an eine Action-Cam, dabei macht sie als Streaming-Cam eher einem Smartphone Konkurrenz. Denn für Live-Videos greift man meist zum mobilen Telefon, auch wenn es dabei kaum gelingt, Bildausschnitt und Perspektive unverwackelt zu verändern. Hier setzt Hersteller Livestream an: Die bildstabilisierte Mevo Plus bringt nur ein Objektiv und einen Bild-Sensor mit, trotzdem ermöglicht sie, verschiedene Bildausschnitte via App festzulegen. Damit kombiniert sie Kamera und Video-Mischer – und streamt die Aufnahme auf Wunsch direkt ins Web.

Handlich im wahrsten Sinne des Wortes: Die Streaming-Cam Mevo Plus.

(Bild: Livestream)

Wie schon beim Vorgängermodell ermöglicht erst die UHD-Auflösung des Wandlers solche Wechsel des Bildausschnitts. Da maximal in Full HD gestreamt wird, bleibt genug Spielraum für die verschiedenen Ausschnitte. Diese definiert man vor Streaming-Start. Danach präsentiert die Kamera-App übersichtlich alle vordefinierten Ansichten, zwischen denen man bei laufender Übertragung schnell und problemlos wechseln kann – auch wenn man etwa während einer Moderation vor der Kamera steht. Alternativ übernimmt die Automatik die Wahl der vordefinierten Bildausschnitte. Dabei steht auch eine Gesichtserkennung zur Verfügung, die versucht, die sichtbare Person in der Bildmitte zu halten. Wenn man sich vor der Kamera bewegt, verschiebt sie automatisch den Bildausschnitt – wahlweise hektisch oder schnell. Sanftes Verfolgen, langsames Ein- oder Auszoomen kann die Automatik nicht.

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Plus-Version

Solche Funktionen bot allerdings schon die vor rund einem Jahr vorgestellte Mevo. Neu bei der Mevo Plus ist der Bildstabilisator, der recht ordentlich funktioniert, doch das Niveau aktueller elektronischer Bildstabilisatoren – etwa einer GoPro Hero6 – nicht erreicht. Zudem arbeitet er nur in Full HD. Dabei speichert die Mevo Plus Videos in UHD-Auflösung auf Micro-SD-Karte, mit bis zu 40 MBit/s. Verbessert wurde die Streamingqualität, die jetzt eine Datenrate von 6 MBit/s bei 1920 × 1080 Pixeln erreicht – und das auf einer nun größeren Anzahl von Portalen: neben Facebook und Livestream auch auf Periscope (Twitter), YouTube sowie Vimeo. Die Verbindung klappt zu allen Portalen problemlos, man ist tatsächlich sehr schnell online. Dank verbesserter Antennen und eines neuen WLAN-Chips (802.11ac) ist die Verbindung deutlich stabiler als beim Vorgängermodell, aber nicht immer perfekt.

Livestream Mevo Plus (4 Bilder)

Neben statischen Perspektiven erkennt die App auch Gesichter und kann diese verfolgen. Auch den Bildausschnitt passt die Software entsprechend an. (Bild: Joachim Sauer/uh)

Die Bildqualität liegt auf dem Niveau einer guten Action-Cam – kein Wunder angesichts des 1/2,3-Zoll-Sensors von Sony und des Ambrella-Prozessors. Im Video sieht man Weitwinkel-Verzeichnungen, vor allem zu den Rändern hin. Bei wenig Licht rauscht das Bild deutlich, was in den Ausschnitten noch mehr auffällt. Auf wechselndes Licht reagiert die Kamera recht zielsicher.

Beim Versuch, wegen des halligen Tons vom integrierten Mikrofon ein anderes Mikrofon zu nutzen, stießen wir auf Probleme. Die Mevo-App bietet an, auch das Mikro des Smartphones, auf dem die App läuft, oder ein externes als Tonquelle zu nutzen. Doch offensichtlich kamen sich Bluetooth-Verbindung und WLAN in die Quere, was zu heftigen Aussetzern führte. Abhilfe brachte der 288 Euro teure Mevo Boost, ein Power-Pack, der eine LAN-Verbindung per Kabel aufbaut und dessen Akku für eine längere Laufzeit sorgen soll. Über die USB-Buchse kann man auch ein Mikrofon anschließen.

Die Akkulaufzeit des Mevo Plus rangiert zwischen 30 und 60 Minuten – eine große Spanne. Denn je nachdem, wie intensiv und mit welchen Parametern welche Funktionen genutzt werden (beispielsweise Auflösung, WLAN oder LTE via Smartphone) wird der Akku mehr oder weniger stark beansprucht. Der Mevo Boost verlängert die Laufzeit etwa auf das Zehnfache.

Livestream Mevo Plus
Anbieter Livestream, livestream.com
Bildsensor 1/2,3-Zoll-Sony-Sensor mit 12,4 Megapixel
Video-Auflösung UHD (3840 × 2160 Pixel)
Bildwiederholrate 25, 29,97 und 30 Vollbilder/s
Aufzeichnung 3840 × 2160 Pixel, 40 MBit/s
1920 × 1080 Pixel, 20 MBit/s
1280 × 720, 10 MBit/s
Streaming 1920 × 1080 Pixel, 6 MBit/s
1280 × 720, 4,5 MBit/s
Portale Facebook, Livestream, Periscope, Vimeo, YouTube
Blickwinkel max. 150 Grad
Audio AAC Stereo
Akku Li-Ion, 1200 mAh / 3,7 V, nicht wechselbar
Anschlüsse USB (nur Ladefunktion)
Zubehör USB-Kabel, 16 GB-Micro-SD-Karte
Gewicht 195 Gramm
Abmessungen 63 mm (H) × 50 mm (Ø)
Preis ab 480 Euro

Fazit

Im Vergleich mit einem Smartphone liefert die Mevo Plus einen größeren Funktionsumfang, ohne den Aufwand für das Streaming deutlich zu erhöhen. Die App lässt sich nach kurzer Einarbeitung nebenbei bedienen. Das Ergebnis sieht wesentlich professioneller aus als das klassische Selfie-Streaming. Will man auch guten Ton auf Sendung schicken, kommt man allerdings kaum um die relativ teure Boost-Option herum.

Herstellervideo zur Mevo Plus (Quelle: Mevo Camera)

(mfi)

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