Tetra-Netzwerk in den Niederlanden offiziell gestartet

Das digitale Funknetz C2000 besteht aus 400 Antennnenstandorten, 12 Netzwerk-Zentren und 30 Einsatzzentralen, die über die ganze Niederlande verteilt sind.

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Von
  • Detlef Borchers

Mit der Übergabe einer Skulptur an den niederländischen Innenminister Johan Remkes im Museum für Kommunikation zu Den Haag wurde heute das niederländische BOS-Netzwerk C2000 offiziell ausgeliefert und gestartet. C2000 besteht aus 400 Antennnenstandorten, 12 Netzwerk-Zentren und 30 Einsatzzentralen, die über die ganze Niederlande verteilt sind. Das auf dem TETRA-Standard basierende Behördennetz wird von der Polizei, der Feuerwehr, den Rettungsdiensten, dem Grenzschutz und der Militärpolizei gemeinsam genutzt.

Errichtet wurde das Netzwerk von der Projektgesellschaft Tetraned, an der der Telefonkonzern KPN und die IT-Firma getronics je zur Hälfte beteiligt sind. Als Hardware setzte Tetraned beim BOS-Funk auf Motorola als Lieferanten, bei der integrierten Voice-over-IP-Lösung auf Cisco und Nortel, bei den Servern des integrierten Datennetzes auf HP/Compaq. Insgesamt kostete die Einrichtung von C2000 nach Angaben von Tetraned 603 Millionen Euro und blieb im Budget, das zur Auftragsvergabe im November 2001 genannt worden war. Der Zeitplan wurde indes um ein halbes Jahr überschritten. In den 603 Millionen sind nicht die Kosten für die Endgeräte enthalten, die die lokal organisierten Feuerwehren und Rettungsdienste selbst anschaffen müssen. Dafür werden noch einmal 100 Millionen Euro veranschlagt.

C2000 ist ein digitales Funknetz, in dem Sprache und Daten übertragen werden können. Im Gegensatz zum analogen Funknetz ist es durch End-to-End-Verschlüsselung abhörsicher. In seiner Rede zur Eröffnung von C2000 freute sich darum Innenminister Remkes, dass der Verkauf von Funkscannern zusammengebrochen ist. Scharf wandte er sich gegen die Forderung der niederländischen Journalistenverbände, der Presse einen Zugang zum Behördenfunk zu geben: "C2000 muss absolut abhörsicher bleiben." Auch in der anschließenden Pressekonferenz nach der Netzübergabe verteidigte Remkes seine Position gegenüber den Journalisten mit dem Hinweis, dass die Überprüfung der Vertrauenswürdigkeit von Journalisten nicht möglich sei. Auf dieser Konferenz kündigte Remkes einen Vertrag mit Deutschland nach Schengen-Richtlinien an, der den deutschen Behörden Zugang zum Netz gewähren soll. Entsprechende Gespräche seien bereits mit Innenminister Schily geführt worden. Neben C2000 in den Niederlanden und Astrid in Belgien will auch Deutschland einen BOS-Digitalfunk einführen, hat aber noch keinen Konsens darüber gefunden, welche Technik (Tetra, Tetrapol oder S-GMS) zum Einsatz kommen soll.

Mit dem Start von C2000 ist der holländische Innenminister noch nicht durchweg zufrieden. In seiner Rede bemämgelte er die mitunter mangelhafte Erreichbarkeit innerhalb von Gebäuden und mahnte eine neue Version der Software an. Damit hat der Projektbetreiber Tetranl weitere Arbeit. "Die Mutter und ihr Kind sind wohlauf und wachsen weiter", formulierte Tetraned-Geschäftsführer Maarten Tijssens die Aufgabe.

Neben den anfälligen Verbesserungen und der Klage der Journalisten wird nun eine Debatte in den Niederlanden darüber geführt, welche anderen Gruppen das Tetra-Netzwerk nutzen dürfen. Anders als in Deutschland mit dem Technischen Hilfswerk ist der niederländische Katastrophenschutz nicht am neuen Daten- und Sprachnetz beteiligt. Gerade die Katastrophe der Feuerwerksfabrik in Enschede und die Brandkatastrophe in einem Volendamer Cafe hätten gezeigt, dass weitere Nutzergruppen bei C2000 sinnvoll seien, so die Kritiker. (Detlef Borchers) / (anw)