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Teure SMS: Softwarefehler in Nobelhandys von T-Mobile (Update)

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Kurznachrichten sind praktisch: Mit 160 Zeichen lässt sich offensichtlich mehr sagen, als die Techniker bei der Gestaltung der Mobilfunknetze gedacht hätten. SMS machen derzeit noch immer den Löwenanteil am mobilen Datenverkehr aus -- und das trotz nicht gerade günstiger Preise. Bei T-Mobile kostet eine SMS zum Beispiel innerhalb deutscher Mobilfunknetze 19 Cent. Kommt allerdings ein MDA zum Einsatz, egal ob eine der früheren Versionen oder die aktuelle Pro-Variante, kann eine SMS allerdings auch ein Vielfaches kosten, wie T-Mobile jetzt gegenüber dem Hessischen Rundfunk bestätigte.

Beim Versenden von SMS-Kurznachrichten mit den Pocket-PC-Smartphones von T-Mobile kann es infolge eines Software-Fehlers passieren, dass die Nachrichten mehrfach berechnet werden. In einem Test des HR wurden statt 19 Cent pro SMS bis zu 80 Cent pro SMS vom Kartenguthaben abgebucht. Geschädigte Kunden berichten sogar von bis zu zehnfacher Berechnung einer SMS.

Schuld an der Abrechnungspanne ist die Texteingabehilfe der MDA-Smartphones. Beim Tippen beispielsweise von "Hallo, wie gehts?" wird automatisch ein Hochkomma eingefügt: "Hallo, wie geht's?". Diese kleine Änderung bewirkt, dass die SMS ein Mehrfaches kostet. Grund ist die fehlerhafte Erkennung einiger Sonderzeichen. Statt des Hochkommas wird beispielsweise ein "accent grave" eingesetzt -- ein Sonderzeichen, das mehr Bits (16 anstatt 7) benötigt als ein Apostroph oder ein Hochkomma. Genau hier liegt der Fehler in der Software, der dazu führt, dass durch erhöhten Speicherbedarf eines winzigen Zeichens die maximale Länge einer SMS auf 70 Zeichen zusammenschrumpft. Der Kunde bemerkt davon nur etwas, wenn er sehr aufmerksam ist und die Zeichenzahl kontrolliert.

Der Fehler blieb vier Jahre lang unentdeckt. Vielen Kunden bleibt diese Panne verborgen, weil Kurznachrichten nicht einzeln, sondern gesammelt auf der Telefonrechnung ausgewiesen werden. T-Mobile ist dieses Problem aber nun seit längerem bekannt; der Mobilfunkbetreiber hat dies aber nicht öffentlich bekannt gegeben. Erst auf Anfrage des HR wurde der Fehler offen eingestanden.

Unternehmenssprecher Philipp Schindera bedauerte gegenüber dem HR, dass der Softwarefehler erst jetzt kommuniziert werde. Man werde aber alles tun, um das Vertrauen der Kunden nicht weiter zu erschüttern und auf verschiedenen Wegen zu informieren. Außerdem werde man im Schadenfall kulante Lösungen für die betroffenen Kunden finden. Insgesamt, erklärte T-Mobile, werden derzeit 120.000 betroffene MDAs zum SMS-Versand eingesetzt. Ob baugleiche Smartphones anderer Mobilfunkbetreiber betroffen sind, ist derzeit noch unklar.

Abhilfe schafft vorerst nur das Abschalten der Sonderzeichen. Damit wird der Fehler ausgeschlossen -- einige SMS werden dann aber nur verstümmelt verschickt. Auf jeden Fall aber sollte jeder Mobilfunkkunde, der einen MDA oder ein baugleiches Gerät benutzt, seine SMS-Abrechnung genau überprüfen: Stellt man unverhältnismäßig hohe Abrechnungen für übertragene SMS fest, sollte man Widerspruch gegen die Rechnung einlegen. Zur Überprüfung kann man auch eine SMS mit Sonderzeichen verschicken und kontrollieren, ob dafür mehr als eine SMS berechnet wird -- ist dies der Fall, sollte man ebenfalls Widerspruch gegen die Mobilfunkrechnungen einlegen.

Mehr zu den teuren SMS bei T-Mobile bringt c't magazin.tv in seiner Sendung am morgigen Samstag um 12:30 Uhr im hr-Fernsehen. Weitere Sendetermine finden sich in der Ankündigung zur morgigen Ausgabe oder auf der Webseite von c't magazin.tv.

[Update:] Auch Vodafone, die unter dem Namen VPA ähnliche Pocket-PC-Telefone im Angebot haben, kennt das Problem mit dem Hochkomma und empfielt Kunden mit einem VPA-Modell, die standardmäßig aktivierte Unicode-Option abzuschalten, was sich nur auf wenige Sonderzeichen wie den Accents auswirkt. Bei zukünftigen Software-Versionen soll Unicode in der Grundeinstellung deaktiviert sein. Vodafone-Kunden, die ihre zu hohen SMS-Rechnungen reklamieren, sollen kulante Gutschriften erhalten. (rop)