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Texanisches Unternehmen will Geld für JPEG

Eigentlich ist die texanische Firma Forgent Networks auf Video-Netzwerke spezialisiert. Doch seit der Übernahme der kalifornischen "Compression Labs" ist das Unternehmen im Besitz eines explosiven Patents: Die US-Patentschrift 4,698,672 von 1987 beschreibt unter anderem einen wesentlichen Bestandteil der Erzeugung von JPEG-Grafiken.

Dabei werden die Bildinformationen zunächst zu einer Datenfolge geformt, die möglichst viele Nullwerte enthält. Das Verfahren fasst die Nullen per Lauflängenkodierung (RLE, Run Length Encoding) zusammen; das Ergebnis wird mit einer Huffmann-Codierung weiter komprimiert -- genau diesen Vorgang meldete Compression Labs im Herbst 1986 zum Patent an, das dann ein Jahr später am 6. Oktober 1987 zugeteilt wurde. Dieses Verfahren kommt aber bei weitem nicht nur im JPEG-Kompressionsalgorithmus zum Einsatz -- auch MPEG-Video und einige Wavelet-Verfahren verwenden diesen Schritt.

Zunächst konzentrieren sich die "Lizenzbemühungen" von Forgent Networks auf die Hersteller von Digitalkameras, Scannern und Druckern sowie anderen Geräten, die "digitale Bilder komprimieren, speichern, manipulieren, drucken oder übertragen".

Einer Forgent-Sprecherin zufolge haben sowohl der Elektronikriese Sony als auch ein "bekannter amerikanischer Kamerahersteller" bereits Millionenbeträge gezahlt. Allein der letzte Quartalsbericht weist ein Einkommen von 15 Millionen US-Dollar aus dem "intellectual property licensing program" auf. Der Konzern begann erst vor wenigen Monaten mit Hilfe einer US-Anwaltskanzlei mit den Lizenzverhandlungen. Die Kanzlei erhält fast die Hälfte des Erlöses.

Vor drei Jahren forderte Unisys in einem möglicherweise vergleichbaren Fall zahlreiche Hersteller dazu auf, Lizenzgebühren für das GIF-Dateiformat zu zahlen. Unisys gehört das Patent für den LZW-Algorithmus, der bei der Kompression der meisten GIF-Dateien benutzt wird. Der Konzern bat erfolgreich alle Soft- und Hardware-Hersteller zur Kasse, die GIF-Dateien oder LZW-komprimierte TIFs schreiben. Selbst Grafik-Giganten wie Adobe zahlen Lizenzgebühren für die Nutzung des LZW-Patents. (Jörn Loviscach) / (Jörn Loviscach) / (ghi)

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