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The Big Bang Theory: Bye bye, Sheldon, es ist Zeit zu gehen ...

Das Aus für The Big Bang Theory? Höchste Zeit, findet Torsten Kleinz. Was als Feier der Nerd-Kultur begann, ist schon lange eine intellektuelle Beleidigung.

The Big Bang Theory: Bye bye, Sheldon, es ist Zeit zu gehen ...

(Bild: CBS)

Aus, vorbei, Ende. Zumindest bald. Wie Produzent Chuck Lorre und der Sender CBS mitteilten, wird die bald im September beginnende Staffel der Erfolgsshow The Big Bang Theory die letzte der Serie sein. "Wir werden den Fans der Serie immer dankbar sein, die sie in den zwölf Staffeln unterstützt haben", heißt es in dem nichtssagenden gemeinsamen Statement. Nun sei das ganze Team damit beschäftigt, der Serie den verdienten epischen Abschluss zu verschaffen.

Laut Entertainment Weekly war es Hauptdarsteller Jim Parsons, der selbst für eine Gage von 50 Millionen US-Dollar nicht mehr bereit war, zwei weitere Jahre den Wissenschaftler Sheldon Cooper zu spielen, der auf dem emotionalen Level eines 13jährigen Jungen hängengeblieben ist. Dafür ist Parsons zu danken.

Was 2007 begann, war zumindest der Versuch, die Nerd-Kultur zu feiern. Endlich war die Welt der Wissenschaftler auf dem größten Screen zu sehen, den dieser Planet zu bieten hat. Endlich waren mal Witze über Schroedingers Katze oder Bluetooth zu hören, für die man sich nicht schämen musste. Im Appartement von Leonard und Sheldon konnte man wie im Suchsel kleine Kostbarkeiten finden: vom Dalek bis zum Bat Signal.

Natürlich wurde das Ganze im Paket mit leider unverzichtbaren Bestandteilen der US-Comedy verziert – wie Howard Wolowitz, der sich in seinem verzweifelten Versuch, Frauen ins Bett zu kriegen, sogar als Goth oder Cowboy verkleidete. Und natürlich war der Witz nicht so anarchisch wie bei der britischen Serie "The IT Crowd". Aber immerhin.

Und die ersten Staffeln waren lustig. Wenn Sheldon Cooper das Spiel "Schere, Stein, Papier" zu "Schere, Stein, Papier, Echse, Spock" erweitert, ist das zwar albern bis zum Anschlag – aber immerhin konnte man noch mit ihm lachen. Wenn die Nerds zwischen Xbox, kompetitivem Drachenfliegen und Comicbuch-Laden ihr Leben lebten, boten sie zumindest ab und an Identifikationspotenzial. Doch das ist lange vorbei. Im Wesentlichen besteht die Serie seit Jahren daraus, dass sich sechs, sieben oder acht Leute gegenseitig beleidigen.

Die nachlassende Originalität der Bücher machte immer offenbarer, dass die Nerds in der Produktion allenfalls in zweiter Reihe standen, die Kulisse boten, aber nicht den Humor. Wann immer eine neue Figur integriert wurde – und die Autoren brauchten ständig neue Ziele für Beleidigungen –, offenbarte sich das grundsätzliche Problem der Serie. Statt hoch zu den Sternen zu blicken, ging die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner.

So verpflichtete Chuck Lorre mit Mayim Bialik eine Schauspielerin, die tatsächlich einen Abschluss in Neurowissenschaft vorzuweisen hat und die der Serie neue intellektuelle Glaubwürdigkeit verschaffen sollte. Doch ihr Charakter Amy Farrah Fowler ist eine Ansammlung ärgerlicher Klischees. Die Wissenschaftlerin wirft sich abwechselnd Sheldon Cooper und der drallen Penny an den Hals und bringt ansonsten Affen das Rauchen bei.

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Natürlich wäre es albern, eine Network-Serie mit den Ansprüchen zu vergleichen, die man früher mit den Serien von HBO verknüpft hat. Eine Serie mit komplexer Story wie "Breaking Bad", "Game of Thrones" oder "House of Cards" hätte keine Chancen, sechs bis acht Mal am Tag auf ProSieben gezeigt zu werden.

So hat Lorre es sorgsam vermieden, dem Stoff irgendeine Relevanz oder Aktualität zu verleihen. Während die halbe Nation Psychopharmaka oder Drogen nimmt, spielt das Thema in einer WG der Verhaltensgestörten keine Rolle. Raj ist mit Alkohol so viel besser bedient. Dafür darf er keine Einwanderer-Geschichte erzählen, die dem Publikum unangenehm wäre. Er ist halt ein reicher Inder. Mit einem Cousin, der in einem Call-Center arbeitet.

Wie es Hannah Gadsby in ihrem hoch gelobten Netflix-Comedy-Special "Nanette" beschreibt, weckt diese Art von Comedy ab einem gewissen Punkt keine Sympathien mehr, sondern ist einfach nur noch herabsetzend. "Wisst Ihr, was diese Art von Selbstironie bedeutet, wenn man ohnehin schon am Rand der Gesellschaft steht? Es ist nicht Bescheidenheit. Es ist Erniedrigung." Nur wer sich als Abziehbild seiner selbst präsentiert, darf überhaupt drauf hoffen, in der Pop-Kultur wahrgenommen zu werden.

Und das trifft bei "TBBT" quasi auf jede Figur zu. Alle Nerds sind lächerlich unsportlich und können nicht mit Frauen reden. Raj muss andauernd Witze darüber machen, wie dreckig und übervölkert Indien doch ist. Howard und seine fette Mutter bringen alle jüdischen Klischees auf den Tisch. Penny wird Pharma-Vertreterin, weil das ein Job für Blondinen ohne Ahnung ist, und Comicbuchladen-Besitzer Stuart steuert die Arme-Leute-Witze bei, weil er sich ja sonst nichts anderes leisten kann. Garniert wird dies von den ältesten Witzen, die Sitcoms zu bieten haben – von dem Bully, der die Nerds ohne Hosen nach Hause schickt, bis zu den werdenden Eltern, die das Geschlecht ihres Kindes geheim halten wollen. Und haufenweise Schwulen-Witze – obwohl kein homosexueller Charakter überhaupt in Sichtweite ist.

Um fair zu bleiben: Kaum eine Comedy schafft es, über mehr als drei oder vier Staffeln originell zu bleiben – danach ist es meist die Trägheit der Bewegung, die den Plot noch nach vorne treibt. Das Publikum kennt die Charaktere und schaltet meist aus Gewohnheit weiter ein. Dass es The Big Bang Theory über zwölf Jahre schaffte, ist nach allen Maßstäben der Branche ein enormer Erfolg. Und der Nerd-Kultur hat es ja augenscheinlich nicht geschadet: Veranstaltungen wie Comic-Con platzen aus allen Nähten und bieten auch anspruchsvolleren Stoffen eine attraktive Plattform.

Doch die Nerd-Kultur ist mehr als ein Produktkatalog mit den neusten Sammelkarten und Sheldons Shirts, Star Wars und Spiderman. Auch die Comedy hat sich in diesem Jahrzehnt weiterentwickelt. Deswegen: Bye bye, Sheldon Cooper. Es ist Zeit, zu gehen. (Torsten Kleinz) / (jk)

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