The Expanse, Staffel 4: Nicht so gut wie das Buch, trotzdem beste Sci-Fi im TV

Gutes Casting, schlechtes Casting

Inhaltsverzeichnis

Andere Schwachstellen der neuen Staffel sind allerdings auch für jene offensichtlich, die bisher die Buchvorlage von The Expanse komplett ignoriert haben. Wir denken hier vor allem an das Casting. Die neue Staffel hat da durchaus Höhepunkte, etwa Burn Gorman, der einen absolut großartigen Bösewicht spielt – was anhand der genretypischen Abgedroschenheit seiner Figur sehr anspruchsvoll ist. Und auch Rosa Gilmore schauspielert sich als Lucia – besonders für eine Newcomerin eindrucksvoll – in den Vordergrund.

Aber die Neubesetzung von Avasaralas Mann Arjun ist ein eklatanter Fehltritt. Wo Brian George die Figur bisher – ganz stimmig mit den Büchern – als sanften Dichter und Großvater portraitierte, ist der Arjun von Michael Benyaer auf einmal wieder als Professor tätig und handfest in die Politik involviert. Und von seinem sanften Gemüt ist gar nichts mehr zu sehen. Mal ganz davon abgesehen, dass Benyaer knapp zwanzig Jahre zu jung für Shohreh Aghdashloos Avasarala ist. Immerhin gibt David Strathairn nach wie vor einen brillanten Klaes Ashford.

Die OPA-Kommandanten Klaes Ashford (David Strathairn) und Drummer (Cara Gee) an Bord von Medina Station

(Bild: Amazon Video)

Auch von den Außenszenen auf dem ersten Exoplaneten, den die Mannschaft der Rocinante betritt, hätten wir uns mehr erwartet. Mit dem Übergang der Serie zu Amazon hatten viele Fans gehofft, dass den Produzenten exponentiell mehr Geld für die neue Staffel zur Verfügung steht. Dem scheint nicht so zu sein, denn obwohl die Serie zum ersten Mal prominent Außenaufnahmen in den Vordergrund stellt, sind diese nicht so bombastisch, wie es der Stoff hergegeben hätte. Für Staffel 5, die gerade gefilmt wird, legen die Macher in diesem Punkt hoffentlich noch ordentlich zu, sonst könnte es bei der abzuarbeitenden Buchvorlage äußerst eng werden. Ohne zu viel verraten zu wollen: Bombastisch wird für den kommenden Plot zur absoluten Pflicht.

Glücklicherweise bleiben die CGI-Effekte nach wie vor auf dem hohen Niveau der vorhergegangenen Staffeln. Vor allem die Weltraumszenen der Serie sind atemberaubend.

Die Figur des James Holden wird immer zentraler und in Staffel 4 liefert Steven Strait die bisher glaubhafteste Version dieses Charakters ab. Es scheint, dass sich Strait mit jeder weiteren Staffel besser in die Haut der Figur denkt. Das ist auch gut so, denn er trägt in der aktuellen Staffel weite Teile der Handlung.

Wes Chatham als Amos Burton: gewohnt heftig

(Bild: Amazon Video)

Leider liegt hier ein weiterer Schwachpunkt der Umsetzung der Buchvorlage. Das spontane Erblinden eines großen Teils der Figuren an einem zentralen Handlungspunkt in dieser Staffel und Holdens damit hervorstechende Rolle wirken eher ein bisschen unfreiwillig komisch als dramatisch. Was im Buch funktioniert, überträgt sich leider nur eher schlecht als recht auf die Leinwand. Wahrscheinlich, weil man sich beim Lesen die Panik vorstellen kann, welche die Figuren empfinden. Da beim Sehen der Fernsehserie aber eben alles zu sehen ist, fehlen hier die nötigen Emotionen. Zu dem schaffen es die Schauspieler größtenteils nicht, die schiere Angst zu transportieren, die sie empfinden müssten – vielleicht mit der Ausnahme von Wes Chatham, der in solchen Situationen die ausdrucksstärkste Figur zur Verfügung hat.

Trotz aller Schwächen ist die vierte Staffel von The Expanse immer noch ein Muss für alle Science-Fiction-Fans. Tiefgründige Figuren, ein schlauer Plot, bedeutsame Dialoge und knallharte Action haben in der aktuellen Serienlandschaft einfach kaum Konkurrenz. Lobend hervorzuheben ist obendrein: The Expanse hat fast keine Plot-Löcher. Wo die Zuschauer bei so ziemlich jeder Folge Star Trek Discovery in den Plot-Löchern ein MCRN-Kriegsschiff der Donnager-Klasse querparken könnte, müssen sie bei The Expanse schon genau hinschauen, um überhaupt kleine Ungereimtheiten zu finden; selbst dann finden sie meist nichts, weil alles schlüssig ist. Wenn sich doch mal auf Twitter ein Schlaumeier beschwert, dass man im Weltraum nicht einfach seinen Helm aufmachen kann, um ein loses Kabel zu entfernen, melden sich NASA-Wissenschaftler und bestätigen die Auffassung der Serien-Macher. Das Vakuum des Alls isoliert nämlich recht gut und deswegen erfriert man nicht sofort; ein Bar Druckunterschied sind auch überlebbar wenn man vorher gründlich ausatmet.

Wir sind also dankbar, dass Jeff Bezos die Serie gerettet hat und hoffen, dass er für Staffel 5 noch mal etwas mehr Geld springen lässt. Verdient hätte es diese Ausnahme-Serie. Immerhin können wir dank Amazon The Expanse endlich auch so genießen, wie es offensichtlich dramaturgisch gedacht war: am Stück.

Im Gegensatz zu Game of Thrones müssen wir uns auch keine Sorgen machen, dass uns die Buchautoren hängen lassen, denn James Corey (Daniel Abraham und Ty Franck) haben angekündigt, dass das finale neunte Buch der Serie im kommenden Jahr erscheinen wird. Ty Franck war schließlich mal Assistent von George R.R. Martin und weiß, wie man es nicht macht. Von Martin hat er nach eigener Aussage auch gelernt, sich nicht von den Produzenten der eigenen Serie aus dem Boot schubsen zu lassen. Während Abraham momentan hauptsächlich an den Büchern schreibt, ist Franck Schlüsselfigur am Set der Fernsehserie.

Alle vier Staffeln von The Expanse gibt es bei Amazon Prime Video. Eine fünfte Staffel wird momentan gefilmt.

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(fab)