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"The Intercept": First-Look-Website für NSA-Enthüllungen berichtet über Daten für Drohnenangriffe

Die Journalisten hinter den ersten NSA-Enthüllungen auf Basis von Material Edward Snowdens haben die Website "The Intercept" gestartet. Der erste Bericht dreht sich um die Überwachungsdaten, die für Drohnenangriffe genutzt werden.

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The Intercept werde die Enthüllungen auf Basis der Snowden-Unterlagen fortführen, kündigten drei Gründungsmitglieder des neuen Mediums an. Die Plattform stellt das angekündigte erste Magazin im Rahmen von First Look dar, dem neuen Medienunternehmen von Pierre Omidyar. Das Team hinter The Intercept besteht aus dem Journalisten Glenn Greenwald und der Dokumentarfilmerin Laura Poitras, denen Snowden seine Dokumente überlassen hatte, sowie dem Enthüllungsreporter Jeremy Scahill.

NSA-Skandal

Die NSA, der britische GCHQ und andere westliche Geheimdienste greifen in großem Umfang internationale Kommunikation ab, spionieren Unternehmen sowie staatliche Stellen aus und verpflichten Dienstleister im Geheimen zur Kooperation. Einzelheiten dazu hat Edward Snowden enthüllt.

Im ersten Bericht von The Intercept geht es darum, dass die US-Geheimdienste sich stark auf Ergebnisse elektronischer Überwachung bei der Auswahl der Ziele für Drohnen-Angriffe verließen, was zum Tod Unschuldiger führe. Dazu gibt es neue hochauflösende Luft-Aufnahmen amerikanischer Geheimdienst-Zentralen.

Die Ziele für Drohnen-Angriffe würden oft auf Grundlage von Daten-Auswertung und Handy-Ortung bestimmt, heißt es in dem Bericht. Dabei werde die Identität der Zielperson nicht von Agenten im Einsatzgebiet geprüft. Der Bericht bezieht sich auf Informationen von Beteiligten, Snowdens Unterlagen bestätigten dies. Greenwald und Poitras hatten das erste Interview mit Snowden in Hongkong geführt und bekamen von ihm die NSA-Unterlagen.

The Intercept werde sich anfangs auf weitere Enthüllungen auf Basis der Snowden-Unterlagen konzentrieren, wolle aber mit der Zeit auf breiter Front investigativen Journalismus betreiben, schrieben die Gründungsmitglieder. Themen sollen etwa Korruption, Justizmissbrauch, Verletzung bürgerlicher Freiheiten und soziale Ungleichheit sein.

Finanziert wird das Projekt von einem milliardenschweren Mitgründer der Handelsplattform eBay, Pierre Omidyar. Er hatte sich nach schon vor Jahren nach Hawaii zurückgezogen und dort mit Journalismus-Projekten experimentiert. Im vergangenen Jahr entschied er sich nach eigenen Angaben gegen einen Kauf der Washington Post und will stattdessen 250 Millionen Dollar in das Projekt mit Greenwald stecken. Die Journalisten betonten, dass ihre redaktionelle Unabhängigkeit garantiert sei. Greenwald gab für The Intercerpt die Zusammenarbeit mit der britischen Zeitung Guardian auf, wo er im vergangenen Sommer die ersten Enthüllungen veröffentlicht hatte.

Omidyar hatte den vorgezogenen Schnellstart von The Intercept mit dem ständig wachsenden Druck begründet, dem US-Journalisten ausgesetzt seien, die über den NSA-Skandal berichten wollen und kündigte einen ganzen Sack von neuen Erkenntnissen zu diesem Thema an. Weitere Magazine und eine Website sollen noch in diesem Jahr folgen.

Laut Omidyar werden weitere Journalisten zu First Look Media stoßen. Zu ihnen zählen die Journalistin Marcy Wheeler, eine Expertin für Programme zur Terrorbekämpfung, und der Journalist Ryan Gallagher, der in der Vergangenheit vor allem mit Arbeiten über die Verquickung von IT-Firmen und Unterdrückungsstaaten bekannt wurde. Der mit Berichten aus Bosnien bekannt gewordene Kriegsreporter Peter Mass und der von den Arabischen Revolutionen twitternde Andy Carvin sollen das Team vervollständigen.

First Look Media unterhält Büros in New York, San Francisco und Washington. Als Gründungskapital hat Pierre Omidyar 500 Millionen US-Dollar bereitgestellt. Diese Summe ist in ein profitorientiert arbeitendes Medienunternehmen gleichen Namens geflossen, das über den Verkauf von Software und Know How profitabel werden soll. Die einzelnen Magazine werden von gemeinnützigen Ausgründungen der First Look Media entwickelt und herausgegeben, die keinen Gewinn erzielen müssen. (mit Material von dpa) / (jk)

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