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Theseus geht in die Vermarktung

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Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat heute in Berlin einen 'Show Room' zur Präsentation der Ergebnisse des Fünfjahres-Programms Theseus eröffnet. Das Innovationszentrum soll nach Angaben des Ministeriums im Rahmen des größten IKT-Forschungsprogramms der Bundesregierung, in dem auf der Grundlage semantischer Verfahren und serviceorientierter Architekturen Technologien für das Internet der Dienste entwickelt werden, als Plattform für den Dialog zwischen Forschern und Entwicklern sowie den Anwendern aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) dienen.

In den Räumen des Zentrums im einstigen Berliner Stammhaus von Siemens am Salzufer in Charlottenburg haben Interessenten und prospektive Anwender die Möglichkeit, sich auf rund 500 Quadratmeter Fläche über interaktive Anwendungen und Prototypen zu den Ergebnissen der Theseus-Forschung aus den Bereichen Multimedia, Wissen, Dienste, Businessprozesse und Medizin zu informieren und diese selbst auszuprobieren.

"Die Technologien sind teilweise recht abstrakt", gestand Abteilungsleiter Ralf Schäfer vom Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) bei der Eröffnung ein. Mit der Ausstellung hoffe man, die Arbeiten "den Marktteilnehmern - vor allem den KMU" greifbar und sichtbar zu machen. Heute wurden dort unter anderem das TechWatchTool zum Innovation Monitoring gezeigt, das bei Thyssen Krupp bereits im Einsatz ist, aber auch ein USDL-Editor, mit dem Firmen ihre Dienstleistungen beschreiben können, die sie über das Internet anbieten wollen; der Editor übersetzt die Angaben dann technisch in die Unified Service Description Language (USDL), so dass sie auf einer Internet-Plattform für Dienstleistungen auffindbar werden.

Diese Plattform solle "eine Art ebay für Dienste" werden, charakterisierte Orestis Terzidis von SAP das Vorhaben. Er betonte aber, das Ziel sei nicht etwa ein vergleichbar monopolistisches Geschäftsmodell, sondern "ein sehr viel pluraler gestalteter Wirtschaftsraum im Internet". USDL ist im Theseus-Teilprojekt Texo als vereinheitlichte Dienstbeschreibungssprache entwickelt worden. "Wir streben eine Standardisierung im W3C an", erklärte Terzidis.

Neben der Ausstellung gehört zum 'Theseus-Innovationszentrums Internet der Dienste' auch ein Laborbereich. Er ist als offener Arbeitsplatz konzipiert und soll den Wissensaustausch zwischen den an Theseus beteiligten Forschern sowie die Zusammenarbeit mit externen Experten fördern. Hier könnten Anwender mit den Entwicklern unmittelbar in Kontakt treten und Workshop-artig eine Projektidee vertiefen, "ohne gleich einen formalen Vertrag abschließen zu müssen", wie es hieß.

Volker Zimmermann von der IMC AG - selbst ein KMU mit 150 Mitarbeitern in Saarbrücken, das in einem Theseus Mittelstandsprojekt beteiligt ist - begrüßte die neue Einrichtung als eine Chance für "partizipatorische Entwicklung", nämlich "frühzeitig industrielle Anwender in den Entwicklungsprozess einzubeziehen". Gerade KMUs hätten kaum Möglichkeiten, selbst Basistechnologien zu entwickeln; sie müssten "auf das zurückgreifen, was schon da ist".

Das BMWi fördert das 2007 aufgelegte Fünfjahresprogramm Theseus mit insgesamt 100 Millionen Euro. Aus diesen Mitteln kommen auch die rund 200.000 Euro zur Finanzierung des Innovationszentrums, die erst einmal bis 2012 gesichert ist. Es wird vom Fraunhofer-HHI, einem der 60 Partner von Theseus, organisiert und betreut und steht - nach Anmeldung - allen Interessierten offen.

(jo)