Thirty Meter Telescope: Blockade dauert an, Träger vor "baldiger" Entscheidung

Demonstranten verhindern immer noch den Baubeginn des Riesenteleskops auf Hawaii. Dessen Betreiber müssten bald eine Entscheidung treffen, sagt ein Sprecher.

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(Bild: Shutterstock)

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  • Martin Holland

Anderthalb Monate nach dem geplanten, aber verhinderten Baubeginn für das riesige Thirty Meter Telescope (TMT) auf dem hawaiianischen Vulkan Mauna Kea ist immer noch keine Einigung in Sicht und die Betreiber warnen, dass Unterstützer abspringen könnten. Gordon Squires vom TMT sagte gegenüber West Hawaii Today, dass nun bald eine Entscheidung getroffen werden müsse. "Alle unsere Partner sind besorgt", angesichts der Blockade, die jegliche Bauarbeiten auf dem Berg verhindert. Zwar würden sie sich alle noch zum Projekt bekennen, sie müssten aber auch die Gelder rechtfertigen, die sie weiter in das geplante Teleskop investieren.

Das dann größte optische Teleskop auf der Nordhalbkugel mit den namensgebenden 30 Metern Spiegeldurchmesser sollte eigentlich seit Oktober 2014 auf dem höchsten Berg Hawaiis errichtet werden. Proteste hatten das aber verhindert und ein jahrelanger Rechtsstreit endete erst mit einem Urteil des obersten Gerichtshofs des US-Bundesstaats zugunsten des Teleskops. Danach sollten die Bauarbeiten Mitte Juli beginnen, wurden aber von neuen Protesten und einer Blockade der Zufahrtsstraße einmal mehr verhindert. Vertreter der polynesischen Ureinwohner Hawaiis wenden sich gegen das geplante Riesenteleskop, weil der Mauna Kea in der Mythologie der Ureinwohner heilig sei. Unterstützung bekommen sie von Umweltschützern.

Der Gouverneur des US-Bundesstaats hatte mit der Ausrufung eines Notstands auf die Ereignisse reagiert, um den Polizeikräften mehr Befugnisse zu geben. Das hatte den Widerstandsgeist der Teleskopgegner aber nur gestärkt und schließlich hatte David Ige seine Erklärung zurückgezogen. Beiden Seiten wurde dabei eine Frist bis zum September 2021 gegeben, um den Konflikt zu klären, damit die Bauarbeiten aufgenommen werden können. Davon wollen die Demonstrierenden aber nichts wissen und geben sich kompromisslos. Sie verweisen darauf, dass mit der Kanareninsel La Palma ein alternativer Standort bereit stehe. Unterstützung erhalten sie von einigen Prominenten aus der Unterhaltungsindustrie.

Squires erklärt nun, dass die Forschungsinstitutionen aus Kalifornien, Indien, China, Japan und Kanada, die hinter dem Thirty Meter Telescope stehen, bald eine Entscheidung treffen müssten – und zwar definitiv früher als 2021. Immerhin müssten sie bereits jetzt rechtfertigen, warum sie jedes Jahr Geld in ein Projekt stecken, dass keinen gesicherten Standort hat. Entweder wollen sie weiter auf dem Mauna Kea bauen, auf La Palma oder aber überhaupt nicht mehr. Sollte eine der Einrichtungen aber aussteigen, wäre das "desaströs". Möglich wäre dann eine Finanzspritze von der National Science Foundation der USA, der Geldmittel für einen Bau in den USA aber sicher leichter zu entlocken wären.

In Hawaii halten derweil die Debatten um das Thirty Meter Telescope und den Umgang mit dem Vulkan Mauna Kea an. Im Honolulu Civil Beat verweist ein Physiker darauf, dass schon jetzt fünf der größten Teleskope der Welt im spanisch-sprachigen Chile stehen – wo Europas Extremely Large Telescope als größtes Teleskop der Welt – errichtet wird. Sollte das TMT nach La Palma wandern, würden am Himmel wohl noch mehr spanische Begriffe auftauchen. Den Hawaiianern würde das die Möglichkeit nehmen, weiterhin auch linguistisch dort einen Fußabdruck zu hinterlassen. Als Beispiele verweist er auf die Namen Laniakea und ʻOumuamua. (mho)