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Thomson-Reuters-Chefredakteur: "Zensur gefährdet Demokratie mehr als Fake News"

Eine Demokratie kann Falschnachrichten aushalten, Autokraten können das nicht. Daran erinnert auf dem Weltwirtschaftgipfel der Chefredakteur von Thomson Reuters.

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Thomson-Reuters-Chefredakteur: "Zensur gefährdet Demokratie mehr als Fake News"

So sind die Berichterstatter auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos untergebracht.

(Bild: WEF / Greg Beadle)

Stephen Adler, Chefredakteur der Nachrichtenagentur Thomson Reuters, warnte in der Debatte über "digitale Lauffeuer" auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor Zensurvorschlägen für "Fake News". Auch in Davos sei der Ruf nach Regulierung solcher Falschnachrichten zu hören. Denen, die fordern, dass "Gerüchte" nicht publiziert werden, hielt er entgegen: Eine freie Gesellschaft hat ihren Preis. Dazu gehöre, dass "Leute manchmal falsche, irreführende oder erfundene Dinge verbreiten". Auf keinen Fall dürften Falschnachrichten aber jetzt als Vorwand für eine Zensur herangezogen werden.

Informationsfreiheit sei ein Grundpfeiler einer freien Gesellschaft, unterstrich Adler. "Wenn es keine Informationsfreiheit gibt, gibt es auch keine freie Gesellschaft mehr." Wer das nicht glaube, brauche nur über die Grenzen autoritärer Systeme zu blicken. Dort zeige sich auch, dass der Hunger von Gesellschaften nach korrekten Informationen groß ist.

In Nordkorea hörten die Leute verbotene Radiosender. Nutzer hinter der großen Firewall in China seien stets auf der Suche nach Mitteln und Wegen, doch an verbotene Nachrichten aus dem Ausland zu kommen. Auch in den USA konstatiert Adler einen bemerkenswerten Trend: Nach der Wahl von Donald Trump seien die Abonnentenzahlen von Qualitätsmedien wie der New York Times oder Vanity sprunghaft angestiegen.

Rebecca MacKinnon, Gründerin von Global Voices und der Global Network Initiative, nannte mehr Pluralität in der Medienlandschaft, vor allem in Bezug auf deren Finanzierung, ein gutes Gegengift. Das Nachrichtengeschäft dürfe nicht allein auf Profit-Maximierung ausgerichteten großen Unternehmen überlassen werden. Informationsvielfalt sei durchaus auch eine öffentliche Aufgabe.

Adler nannte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Stil der BBC als ein Beispiel und verwies überdies auch auf Stiftungen in den USA, die gezielt in alternative Medienprojekte investierten. Kostenlose gute Nachrichten gibt es laut MacKinnon auch von zahlreichen Organisationen, die schon jetzt Qualitäts-Nachrichten zu bestimmten Themenbereichen anbieten. Wie Adler warnte auch McKinnon vor Regulierungsversuchen als Schnellschuss gegen "fake news". Internetplattformen zu Wächtern über Wahrheit oder Informationsqualität zu machen, geht ihrer Meinung nach in die falsche Richtung. (Monika Ermert) / (anw)

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