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Thread-Allianz um Samsung und Nest plant neues Verfahren zur Smart-Home-Vernetzung

Die bisherigen Verfahren seien für das Internet der Dinge kaum geeignet, weil sie dafür nicht ausgelegt seien. Das meint Vint Cerf, der die Thread-Allianz berät. Bei genauem Hinsehen stellt sich Thread aber als alter Bekannter mit neuem Namen heraus.

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Der koreanische Elektronik-Konzern Samsung und Nest, ein Entwickler von digitalen Thermostaten und mittlerweile Tochter des Suchmaschinen-Riesen Google, wollen mit einem IP-basierten Drahtlosprotokoll ein neues Fundament für das Internet der Dinge legen. Dazu haben sich Samsung und Nest mit den Partnern Yale Security, Silicon Labs, Freescale Semiconductor, Big Ass Fans und ARM in der Allianz Thread Group zusammengeschlossen.

Aktuelle Verfahren auf Basis der IEEE-Spezifikation 802.15.4 hätten zwar Vorteile, aber auch kritische Eigenschaften, die das Internet der Dinge aufhalten würden, meinen die Allianzmitglieder. Beispielsweise mangele es an Interoperabiltät, an Funktionen für die Kommunikation mittels dem neuen IPv6-Protokoll und die Geräte hätten eine hohe Stromaufnahme, sodass Batterien oder Akkus schnell leer laufen.

Außerdem kritisiert die Thread Group die Hub-and-Spoke-Konzepte, bei denen die Kommunikation von Smart-Home-Geräten untereinander von einem zentralen Element abhängt. Fällt dieses aus, komme die gesamte Kommunikation zum Erliegen. Mit dem Thread genannten Verfahren sollen hingegen Entwickler und Anwender einfach bis zu 250 Geräte verschlüsselt in einem Low-Power-Netz zusammenbringen können. Alle Geräte würden einen Zugang zum Internet sowie zu Cloud-Diensten erhalten.

Dafür soll Thread laut den Initiatoren "die besten Teile der aktuellen Techniken miteinander kombinieren", um Smart-Home-Produkte besser miteinander zu vernetzen. Unter anderem sollen die Spezifikationen IEEE 802.15.4, IPv6 und 6LoWPAN Eingang in das Thread-Verfahren finden. Bisherige Ansätze für die drahtlose Vernetzung von Dingen stammen aus einer Zeit als vom Internet der Dinge noch überhaupt keine Rede war, sagte der bei Google arbeitende Internet-Pionier Vint Cerf, der die Thread Group berät.

Anders als aktuelle Ansätze sei Thread kein Applikations-Protokoll und auch keine Konnektivitätsplattform für diverse disparate Netzwerke. Thread sei vielmehr ein IPv6-Netzwerkprotokoll, das auf offenen Spezifikationen gründe und für Low-Power-Netze auf Basis von 802.15.4 ausgelegt sei. Deshalb können laut der Thread Group populäre Applikationsprotokolle und Plattformen darauf aufsetzen.

So ganz brandneu ist Thread dann aber doch nicht: Eine erste Version, so meldet die Thread Group kleinlaut, nutzt bereits die Google-Tochter Nest. Aus der Meldung der Allianz kann man also lesen, dass Google mit dem Know-how, das Anfang 2014 mit Nest für 3,2 Milliarden Dollar ins Haus kam, andere Mitspieler begeistern konnte und den von Nest entwickelten Verfahren zu Standard-Niveau verhelfen will.

Vint Cerf, der bei Google die Thread Group berät, meint, dass bislang existierende Ansätze für drahtlose Netzwerke schwerlich für das Internet der Dinge geeignet seien, weil sie aus einer Zeit stammen, als man vom Internet der Dinge noch nicht einmal sprach.

Andere Initiativen wie Apples HomeKit sieht die Gruppe nicht als Konkurrenz. Soweit bisher bekannt sei, arbeite HomeKit eher als Medienzentrale (Hub), erklärte Chris Boross, der das Projekt bei Nest betreut, dem Technologie-Blog "Mashable". Samsung hatte erst kürzlich zusammen mit Intel und Dell zur Entwicklung von Standards für das Internet der Dinge das Open Interconnect Consortium gebildet.

Und Ende 2013 hatte bereits die Linux Foundation die Gründung einer Allianz gemeldet, die sich der standardisierten Vernetzung der Dinge in Industrie und Heim verschrieben hat. Der AllSeen genannte Zusammenschluss soll unter einem Dach an Geräten, Objekten oder Systemen arbeiten, die sich einfach verbinden, nahtlos Informationen austauschen und koordiniert zusammenarbeiten – kein einzelnes Unternehmen könne die hohen Anforderungen an Interoperabilität und Alltagstauglichkeit allein erfüllen, dafür seien industrieübergreifende Anstrengungen erforderlich. (dz)