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Tidal soll Streamingabrufe bei Beyoncé und Kanye West massiv manipuliert haben

Der Streamingdienst Tidal habe Abrufe zweier Alben künstlich in die Höhe getrieben, berichtet eine norwegische Zeitung. Das Unternehmen bezeichnet den Vorwurf als Schmierenkampagne.

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Jay Z

Schwere Vorwürfe gegen den Streaming-Dienst Tidal, ein Projekt von Rapper Jay Z.

(Bild: dpa, Justin Lane/Archiv)

Der Streaming-Dienst Tidal soll die Zugriffs-Zahlen der Alben “Lemonade” von Beyoncé und “Life of Pablo” von Kanye West in der Größenordnung von hunderten Millionen künstlich nach oben getrieben haben. Diesen Vorwurf erhebt die norwegische Zeitung Dagens Næringsliv. Die falschen Zahlen hätten dann für ein erhebliches Ungleichgewicht bei der Ausschüttung von Tantiemen gesorgt. Basis der Anschuldigung ist eine Festplatte mit internen Datensätzen, die der Zeitung offenbar zugespielt wurde.

Dem Bericht zufolge wurden die Daten auch von Experten der norwegischen Hochschule NTNU untersucht: Bei einem großen Prozentsatz der jeweils aktiven Nutzer sei den Forschern demnach eine enorme Häufung von gleich strukturierten Mehrfacheinträgen aufgefallen, was sie als Manipulation werteten. Ihrer Analyse nach gebe es keine Hinweise auf externe Eingriffe, zudem ließen es Gezieltheit und Umfang unwahrscheinlich wirken, dass etwaige Software-Fehler für falsche Zahlen gesorgt hätten. Wie genau Tidal mutmaßlich vorgegangen sei, könne man aber nicht sagen.

Ebenfalls wurden auch einzelne Nutzer zu ihren individuellen Daten befragt. So hätte zum Beispiel die US-Bürgerin Tiare Faatea ihren Logs nach einzelne Lieder des Beyoncé-Albums 180 Mal in 24 Stunden abgespielt. Ihr Kommentar gegenüber der Zeitung: "Nein, das kann nicht stimmen.“

Tidal hat diese Anschuldigungen bislang komplett von sich gewiesen. Gegenüber dem Fachdienst Variety erklärte das Unternehmen: „Das ist die Schmierenkampagne eines Mediums, das einen unserer Mitarbeiter mal als israelischen Geheimagenten bezeichnet hat und unseren Inhaber als Crack-Dealer.“ Die Informationen seien gestohlen und manipuliert worden, so Tidal, man werde sich vehement gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen.

Tidal hält laut Variety die exklusiven Streaming-Rechte für das 2016 erschienene Beyonce-Album; das Album von Kanye West wiederum war für sechs Wochen nach seinen Erscheinen im gleichen Jahr zunächst nur über Tidal streambar. Für beide Alben gab Tidal bemerkenswerte Zahlen an: Wests Album sei in den ersten 10 Tagen nach der damaligen Veröffentlichung 250 Millionen Male gestreamt worden, Beyonces Werk sogar stolze 306 Millionen Male in den ersten 15 Tagen. Zu dieser Zeit habe Tidal eigenen Angaben nach rund 3 Millionen Abonnenten gehabt.

Laut der Dagens Næringsliv zahlte Tidal 2016 rund 4 Millionen US-Dollar Tantiemen an das Label Sony, bei dem Beyonce unter Vertrag steht. Davon sollen allein 2,5 Millionen US-Dollar für Abrufe ihres Albums "Lemonade“ geflossen sein. An das Label Universal flossen demnach 3,2 Millionen US-Dollar, hier seien es allein 2 Millionen US-Dollar für Streams von Kanye Wests einschlägigem Album gewesen.

Besonderes Geschmäckle an den Vorwürfen: Die Musikerin Beyoncé ist mit Tidal-Inhaber und Rap-Künstler Jay-Z verheiratet. Kanye West wiederum gehört zu den Teilhabern des Streaming-Dienstes. Tidal wurde 2014 von der norwegischen Firma Aspiro gegründet, die parallel in Europa auch den HiFi-Streamingdienst WiMP betrieben hatte. Jay-Z hatte Aspiro mit Tidal und WiMP 2015 übernommen, um daraus mit anderen Künstlern einen neuen Streamingdienst zu formen.

Das Unternehmen will als Streamingdienst von Künstlern für Fans beiden Seiten etwas Besonderes bieten: Die Künstler haben mehr Kontrolle über ihre Musik und die Profite; die Fans sollen bei Tidal exklusive Veröffentlichungen bekommen, die es anderswo nicht gibt. Bei der Einführung des neuen Konzepts waren namhafte Musiker als Teilhaber involviert – neben Beyoncé und Kanye West auch Coldplay, Madonna, Rihanna, Daft Punk, Alicia Keys, Usher, Nicki Minaj oder Arcade Fire.

Bereits 2017 hatten Journalisten der Dagens Næringsliv die von Tidal verlautbarten Abonnentenzahlen in Frage gestellt. Demnach sollten die zum einjährigen Bestehen kommunizierten drei Millionen Abonnenten stark übertrieben gewesen sein. Den gleichen Vorwurf hatte Jay-Z nach der Übernahme auch Aspiro gemacht – und eine Entschädigung gefordert, weil der Kaufpreis viel zu hoch gewesen sein. (axk)

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