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Technology Review

Tiefsee als Rohstofflager

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Mehr als zwei Drittel des Planeten sind von Ozeanen bedeckt, in denen gewaltige Bergrücken und endlose Ebenen verborgen sind. Zwar ist die Tiefsee bis heute nur bruchstückhaft erforscht, aber man weiß: In ihr schlummern riesige Rohstoffvorkommen – Öl, Erdgas und seltene Metalle. Längst stecken Unternehmen und Industrieländer wie China, Russland, Australien, Kanada oder auch Deutschland erste Claims am Meeresboden ab, läuft die Erkundung auf Hochtouren, berichtet Technology Review in einer aktuellen Analyse zum Boom in der Tiefsee. Seit 2002 haben sich die Ausgaben für sie auf mehr als 13 Milliarden Euro versechsfacht.

Im Unterschied zu den 1970er-Jahren, als man schon einmal die industrielle Erschließung der Tiefsee testete, scheint es nun ernst zu sein. Das Ende des billigen Öls ist in Sicht, und die Abhängigkeit von den russischen Erdgasvorkommen macht so manchen nervös. Vor allem beunruhigen Experten aber die anziehenden Preise von seltenen Metallen, ohne die eine grüne Hightech-Gesellschaft mit ihren Computern und Elektroautos, Windrädern und Solarzellen nicht funktionieren wird. Gold, Kobalt, Kupfer, Molybdän, Neodym oder Indium – für die moderne Elektronik sind sie unverzichtbar. "Anders als in den Siebzigern ist eine Metallknappheit eine realistische Aussicht", sagt Johannes Post vom Meerestechnikunternehmen Hydromod Service GmbH aus Hannover, Co-Autor einer neuen Studie für das Bundeswirtschaftsministerium zur Erschließung der Meeresressourcen.

Auf 34 Milliarden Tonnen Erz werden allein die sogenannten Manganknollen im zentralen Pazifik geschätzt. Das sind kartoffel- bis melonengroße Gesteinsbrocken auf dem flachen Meeresgrund in bis zu 5000 Metern Tiefe, auf denen sich im Laufe von Jahrmillionen metallische Schichten abgesetzt haben. Allein in der "Clarion-Clipperton-Zone", einem Gebiet 4000 Kilometer westlich von Mexiko, das Deutschland von der Internationalen Meeresbodenbehörde lizenziert hat und das etwas größer als Bayern ist, lagert in den Knollen 50-mal so viel Kobalt, wie weltweit pro Jahr verbraucht wird. Die Knollen enthalten außerdem in geringeren Mengen Kupfer, Nickel, Aluminium und Titan. Hauptbestandteile sind Mangan und Eisen.

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(bsc)