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Tierversuche: VW, BMW und Daimler setzten Affen für Diesel-Abgastests ein

Zehn Makakenaffen mussten in luftdichten Kabinen Abgase eines Diesel-Volkswagen einatmen. Die von VW, BMW und Daimler finanzierte Studie sollte zeigen: die Diesel-Motoren arbeiten sauberer als zuvor. Doch das Fahrzeug war manipuliert.

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Tierversuche: VW, BMW und Daimler missbrauchen Affen für Diesel-Abgastests

Zehn Makakenaffen wurden für Diesel-Abgasversuche missbraucht. Die Geldgeber: VW, BMW und Daimler.

(Bild: pixabay.com )

In einer von den deutschen Autobauern Volkswagen, BMW und Daimler finanzierten Studie wurden zehn Affen in luftdichten Kammern den Abgasen eines VW Beetle mit Dieselmotor ausgesetzt, berichtet die New York Times unter Verweis auf Gerichtsakten. Zur Beruhigung seien den Affen Zeichentrickfilme vorgeführt worden. Die Tierversuche sollten zeigen, dass aktuelle Diesel-Fahrzeuge sauberer seien als ältere Modelle. Die Experimente begannen demnach im Jahr 2014 – also noch bevor der Abgasskandal um Manipulationen an Dieselfahrzeugen bekannt wurde.

Für die Diesel-Abgastests missbrauchte Affenart.

(Bild:  Washington University )

Was die Wissenschaftler wohl nicht wussten: Der VW Beetle war über eine Abschalteinrichtung so manipuliert, dass die ausgestoßenen Schadstoffwerte im Labor geringer ausfielen und somit weitaus weniger schädlich waren als im normalen Straßenverkehr. VW war sich dessen, wie der im Jahr 2015 bekannt gewordene Abgasskandal zeigte, jedoch durchaus bewusst. Die Ergebnisse seien bewusst manipuliert worden, heißt es in der New York Times.

Die Tierversuche fanden in Albuquerque (US-Bundesstaat New Mexico) statt und waren dem Bericht zufolge bisher nicht bekannt. Die Einzelheiten kamen erst aufgrund einer Klage gegen Volkswagen in den USA ans Licht.

In Auftrag gegeben hat die Studie offiziell die "Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor e.V." (E.U.G.T.), welche laut New York Times all ihre Fördermittel von Volkswagen, BMW und Daimler erhielt und aufgrund von Kontroversen hinsichtlich ihrer Arbeit mittlerweile nicht mehr existiert.

Der New York Times zufolge hat diese Organisation keine eigene Forschung betrieben. Sie habe vielmehr Wissenschaftler beschäftigt, um Studien durchzuführen, die den weiteren Einsatz von Diesel verteidigten: etwa, um Zweifel zu streuen, dass das Verbot älterer Dieselfahrzeuge in Städten tatsächlich die Umweltbelastung verringere oder die die Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation anzugreifen, die im Jahr 2012 Dieselabgase als krebserregend einstufte.

Chronologie des Abgas-Skandals (59 Bilder)

Mitte September 2015:  Die US-Umweltschutzbehörde EPA beschuldigt den Volkswagen-Konzern, Diesel-PKWs der Baujahre 2009 bis 2015 mit einer Software ausgestattet zu haben, die die Prüfungen auf US-amerikanische Umweltbestimmungen austrickst. Zu ähnlichen Untersuchungsergebnissen ist auch das California Air Resources Board (CARB) gekommen. Beide Behörden schicken Beschwerden an VW. (Im Bild: Zentrale der EPA in Washington D.C.)
(Bild: EPA
)

Volkswagen, BMW und Daimler verteidigten die Forschergruppe, sie habe legitime, wissenschaftliche Arbeit geleistet, heißt es in dem Bericht weiter. "Alle Forschungsarbeiten, die bei der E.U.G.T. in Auftrag gegeben wurden, wurden von einem Forschungsbeirat begleitet und begutachtet, der sich aus Wissenschaftlern renommierter Universitäten und Forschungsinstitute zusammensetzt", erklärte Daimler gegenüber der Zeitung.

Daimler und BMW erklärten, dass ihnen nicht bewusst war, dass der Volkswagen, der in den Albuquerque-Affenversuchen verwendet wurde, falsche Daten produziert.

Im Jahr 2015 wurde bekannt, dass Volkswagen Millionen Motoren mit einer speziellen Software ausgestattet hat, die die Messung des Schadstoff-Ausstoßes manipuliert. Ausgelöst wurde der als Dieselgate bekannte Skandal durch Ermittlungen der US-Umweltbehörde. (mfi)

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