TikTok veröffentlicht Transparenzbericht: China taucht nicht auf

TikTok hat einen ersten Transparenzbericht veröffentlicht. Auffällig ist: Es gab demnach im ersten Halbjahr 2019 keine Lösch-Anfragen aus China.

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(Bild: XanderSt/Shutterstock.com)

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Im ersten Transparenzbericht von TikTok fällt unweigerlich auf, dass ausgerechnet China nicht auftaucht. Obwohl es mehrfach Vorwürfe der Zensur gegen die Kurzvideo-App gegeben hat, gerade mit Bezug auf die Proteste in Hongkong, hat es keine Anfragen aus dem Herkunftsland des Unternehmens gegeben. Allerdings läuft die Plattform in dem Land auch als eigenständige Tochterfirma von ByteDance mit dem Namen Douyin.

Der Transparenzbericht behandelt das erste Halbjahr 2019. Darin listet TikTok die Anfragen zu auf der Plattform geposteten Inhalten auf: Anfragen von Behörden und Anfragen von Regierungen mit der Bitte, Videos und Konten zu löschen. Demnach haben sich deutsche Behörden zwölf Mal an das Unternehmen gewandt, in drei Fällen davon handelte es sich um Notfälle, hinzu kam ein Löschauftrag von der Bundesregierung. Am häufigsten kamen Anfragen aus Indien – 107 Mal wurden Nutzerdaten abgefragt, elf Mal meldete sich die Regierung, acht Konten wurden daraufhin gelöscht oder begrenzt, vier Mal Inhalte gesperrt.

Insgesamt hat es 298 Behördenanfragen aus 28 Ländern gegeben, neun Länder stellten 26 Anfragen zum Entfernen von Daten. "Wir wollen zeigen, wie wir in den Märkten, in denen TikTok aktiv ist, verantwortungsvoll mit Regierungsbehörden und juristischen Personen zusammenarbeiten", schreibt Eric Ebenstein, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei TikTok in einem Blogpost. TikTok ist in China nicht aktiv, beziehungsweise heißt die App dort Douyin, ist eigenständig und hat zum Teil andere Funktionen – etwa bei Verlinkungen und der Suche. Darin dürfte ein Grund für die Abwesenheit Chinas in der Anfragenliste liegen. Einen separaten Bericht für Douyin gibt es allerdings nicht. Fraglich bleibt auch, ob die chinesische Regierung trotzdem Inhalte aus anderen Ländern hat löschen lassen.

Die App untersagt zahlreiche politische Themen. Zwar sollen einige Verbote aufgehoben worden sein, etwa die Darstellung politischer Persönlichkeiten, TikTok-Moderatoren können aber noch immer zensieren. Sie haben dabei die Möglichkeit, unerwünschte Inhalte zu löschen oder in ihrer Sichtbarkeit einzuschränken. Netzpolitik.org hatte erst kürzlich Einblick in die Moderationsregeln des für Deutschland zuständigen Teams. Neben den Hongkong-Protesten sollen Videos mit LGTBQI-Bezug und sogar Menschen mit Behinderungen in der Reichweite eingeschränkt werden, letztere mit der Begründung, sie seien Mobbing-gefährdet. (emw)