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Time-Warner-Chef warnt vor Blase 2.0

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Der Chef des größten Medienkonzerns der Welt warnt vor einem neuen Dotcom-Hype. "Wir könnten uns durchaus in einer zweiten Internetblase befinden", fürchtet der CEO von Time Warner, Richard Parsons, im Handelsblatt. Angesichts zahlreicher Übernahmen neuer Web-Unternehmen und der enormen Summen, die dafür gezahlt werden (Google legte für YouTube 1,6 Milliarden US-Dollar auf den Tisch), fragt sich der Medien-Manager, wo das hinführen soll.

YouTubes einzige Errungenschaft bestände in dem Aufbau einer attraktiven Website mit Standardtechnologien. Sicher ist YouTube erfolgreich – und oft kopiert. Mit Web 2.0 ist das immer möglich, wie die steigende Zahl der Me-Too-Angebote beweist, die im Kielwasser erfolgreicher Gründungen wie Facebook oder eben YouTube auftauchen. So ein Portal ist relativ schnell aus dem Boden gestampft. Hier sieht Parsons auch Gefahren für bereits etablierte Angebote. Die Kundschaft ist flüchtig. "Wer garantiert, dass nicht morgen ein anderes Unternehmen kommt, das eine neue Internetseite aus dem Boden stampft, wo jeder hinrennt?", fragt Parsons.

Der CEO verwies auf mögliche Folgen der aktuellen Begeisterung für Startups: "Es gibt eine große Internet-Euphorie, die in einem Flop münden könnte." Als Chef von Time Warner weiß er, wovon der redet. Die spektakuläre Fusion des Medienkonzerns mit Internetanbieter AOL im Jahre 2000 gilt als einer der Höhepunkte des als "New Economy" apostrophierten Dotcom-Wahnsinns zur Jahrtausendwende. Parsons war an den Verhandlungen als Mitglied des Time-Warner-Managements beteiligt. Die Fusion kostete viel Geld und tausende Mitarbeiter den Job. Wenig später platzte die Blase. Inzwischen ist AOL wieder aus dem Unternehmensnamen getilgt, und wiederholt gibt es Pläne, sich wieder ganz von dem Partner zu trennen.

Parsons setzt eher auf Fernsehen. "Die Leute lieben Fernsehen", sagte er der Wirtschaftszeitung. Er will für europäische Märkte vor Ort produzieren und schließt Übernahmen von Sendern auf dem alten Kontinent nicht aus. Eine Übernahme der Sendergruppe ProSiebenSat1, an der auch Silvio Berlusconi Interesse hat, hält Parsons aber für "eher unwahrscheinlich". (vbr)

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