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Time Warner baut Führung unter den Medienkonzernen aus

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Der US-Konzern Time Warner hat in den vergangenen zehn Jahren seine führende Position unter den 50 größten Medienkonzernen weltweit ausgebaut. Mit umgerechnet 35,2 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2006 führt Time Warner die vom Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) erstellte neue Rangliste der Medienkonzerne an – es folgen Disney (27,3 Milliarden Euro), Viacom/CBS (20,7), die australisch-amerikanische News Corp. (20,1), das Kabel-Konglomerat Comcast (19,8) und die in Deutschland ansässige Bertelsmann AG (19,2).

In der ersten Studie aus dem Jahr 1995 lag Time Warner mit umgerechnet 25,3 Milliarden Mark vor der Bertelsmann AG (20,3 Milliarden Mark), damals, gemessen am Umsatz, noch der zweitgrößte Medienkonzern der Welt, heute auf Platz sechs. Die Berechnung der Umsätze basiert nach IfM-Angaben auf den amtlichen Währungs-Mittelkursen der jeweiligen Jahre.

Auch andere große deutsche Medienunternehmen sind im Umsatzranking zurückgefallen oder rangieren gar nicht mehr unter den Top 50. Der zum großen Teil aus Gebühren finanzierte öffentlich-rechtliche Senderverbund ARD findet sich heute auf Platz 18 mit 6,03 Milliarden Euro Umsatz, 1995 lag die ARD noch auf Rang acht. Die Kirch-Gruppe meldete 2001 Insolvenz an, die Axel Springer AG (2,4 Milliarden Euro Umsatz) findet sich nach Platz 28 im Jahr 1995 nun auf Platz 48 wieder. Aufstiegschancen unter die ersten 50 mit einem Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro hat der neue Konzern, der aus der Übernahme der Senderkette SBS durch die ProSiebenSat.1 Media AG erwächst.

"Die Dominanz der US-Medienkonzerne hat sich im letzten Jahrzehnt verstärkt", sagt Gisela Schmalz, Medienökonomin am IfM. "Das hat mit dem angloamerikanischen Sprach- und Kommunikationsraum zu tun, aber auch mit riskanteren, aggressiveren Akquisitionsstrategien und einer intelligenten Vernetzung von klassischem Entertainment, Journalismus und Zukunftstechnologien." So integrierte Time Warner Kabelnetze, Zeitschriften, Hollywood-Filmstudios (Warner Brothers), TV-Produktion ("ER", "West Wing") und Pay-TV (HBO) und den Internet-Anbieter AOL.

Insgesamt hat sich der Umsatz der 50 weltgrößten Medienkonzerne seit dem Geschäftsjahr 1995, auf das sich die erste Studie bezog, mehr als verdoppelt – von umgerechnet 325 Milliarden Mark (nach heutigem Stand knapp 166 Milliarden Euro) auf rund 360 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2006. Die Online-Datenbank des IfM, mit der die vor zehn Jahren zuerst publizierte Studie "Wer beherrscht die Medien?" der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister und Günther Rager fortgeführt wird, bietet eine Übersicht zu den Verflechtungen und Allianzen der globalen Medien- und Kommunikationsindustrie. Nicht eingeschlossen sind zumeist in Staatsbesitz befindliche chinesische Medienunternehmen, die ihre Bilanzen nicht offenlegen. (dpa) / (jk)

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