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Time Warner und AOL sind geschieden

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Knapp neun Jahre nach der Hochzeit hat sich der Medienkonzern Time Warner heute offiziell von AOL getrennt. Das Internetunternehmen wird wie im November beschlossen ab morgen eigenständig an der New Yorker Börse gehandelt. Bezugsberechtigte Aktionäre erhalten für elf Time-Warner-Aktien eine AOL-Aktie. AOLs Marktwert summiert sich derzeit auf 2,5 Milliarden US-Dollar – 10 Prozent dessen, was die Firma zu ihren besten Zeiten wert gewesen sein soll.

Die Fusion von AOL und Time Warner im Jahr 2001 wog 160 Milliarden US-Dollar. Nach dem Platzen der Internet-Blase blieben aber gigantische Verluste, die Ehe galt als gescheitert. Time Warner hatte nicht zuletzt wegen AOL auch im dritten Quartal einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Der Überschuss war um fast 40 Prozent auf 661 Millionen Dollar gefallen. Die Internetsparte leidet unter sinkenden Nutzerzahlen und niedrigen Werbeeinnahmen. 2002 hatte AOL 26 Millionen Internet-Einwahlkunden, heute sind es noch gut 5 Millionen.

AOL verpasst sich ein neues Logo und wird den Weg weg von seinem ehemaligen Geschäftsschwerpunkt als Internetzugangsanbieter hin zu einem Anbieter von Werbeplatz und als Portalbetreiber weiter gehen. AOL-Chef Tim Armstrong sagte im November, sein Unternehmen habe eine klare Strategie: dynamisch zu sein.

Der Analyst Todd Rethemeier sieht AOLs Werdegang laut einem Bloomberg-Bericht als eine Entwicklung weg von einer Eingangstür hin zu einer Website unter vielen. Das Unternehmen werde wohl auch noch in den nächsten Jahren Umsatzrückgänge zu verkraften haben, sagten demnach andere Analysten. Einem solchen möglichen Trend will AOL beispielsweise durch eine genaue und schnelle Analyse von Suchanfragen entgegenwirken. Inhaltelieferanten und Werbetreibende sollen auf die Ergebnisse der Analyse eingehen und so auf die aktuelle Nachfrage eingehen können. Zunächst einmal müssen aber 2500 AOL-Mitarbeiter gehen . (anw)