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Tiscali will Provider Nummer 1 in Europa werden

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"Das Internet-Geschäft wird sehr bald zu einem ganz normalen Geschäft werden, in dem Unternehmen mehr einnehmen als sie ausgeben, also einen Gewinn erwirtschaften. Dieser Konsolidierungsprozess ist bereits in vollem Gange, und Tiscali ist so ein ganz normales Unternehmen", betonte Renato Soru, Gründer und Chef des in Sardinien begonnenen und heute in Mailand beheimateten Internet-Unternehmens Tiscali.

7,7 Millionen registrierte Nutzer in 15 europäischen Staaten hat Tiscali nach eigenen Angaben, 4 Millionen davon seien aktiv. Wie viele der 1,1 Millionen deutschen Privatkunden aktiv sind, sagt Tiscali nicht. Da Tiscali sowohl Internet-Zugang als auch Call-by Call für Fern- und Auslandsgespräche anbietet, ist zudem der Terminus "registrierter Nutzer" nicht klar definiert. Auf Basis dieser Zahlen und der im Januar dieses Jahres vereinbarten Übernahme von "Liberty Surf", dem zweitgrößten ISP in Frankreich, bezeichnet sich Tiscali aber nun als zweitgrößten Internet-Provider in Europa.

Hauptsächlich durch weitere Zukäufe will Tiscali in den kommenden zwei Jahren zum größten Internet-Provider für Privatkunden in Europa aufsteigen und in Deutschland unter die Top 3 kommen. Die prekäre finanzielle Situation in der heute viele kleinere Provider stecken, schafft ein günstiges Klima für Übernahmen. Oder "Partnerschaften", wie Soru das nennt: "Wir sehen, dass jedes Unternehmen etwas Einzigartiges hat, das es in unser Unternehmen einbringt und von dem Tiscali lernen und profitieren kann."

Vom gesamten Internet-Markt, der weltweit alle mit dem Netz zusammenhängenden Dienste umfasst und der laut IDC in den kommenden Jahren auf 400 Milliarden US-Dollar anwachsen soll, will Tiscali einen einstelligen Prozentanteil erobern und halten. Das reiche für die Marktführerschaft in Europa und für ein auf Dauer profitables Wirtschaften.

Viele der in den Boom-Jahren gegründeten Internet-Firmen und besonders die Internet-Abteilungen der ehemaligen Staatsunternehmen seien ineffizient, meinte Soru. Das schaffe für das Unternehmen die Chance, durch innovative technische Lösungen und effiziente interne Abläufe den Platzhirschen die nötigen Marktanteile abzujagen. Als Beispiel und Beweis nennt Carl Mühlner die Tatsache, dass es Tiscali seit der Gründung 1997 mit einem nicht näher bezifferten "winzigen Startkapital" geschafft habe, Telecom Italia bedeutende Maktanteile abzujagen und zur Nummer 2 im Heimatlad aufzusteigen. Mühlner ist ehemaliger Geschäftsführer des von Tiscali gekauften Unternehmens World Online, heute Geschäftsführer der Tiscali Business GmbH und konzernweit für das Business-to-Business-Geschäft zuständig.

Tiscali verfügt über ein redundant ausgelegtes, 622 Megabit pro Sekunde schnelles Ringnetz in Europa und zu den wichtigsten Austauschpunkten in den USA. Über dieses wickelt es mit einem proprietären Management-System sowohl den Daten- als auch den Telefonverkehr auf IP-Basis ab. Renato Soru, Gründer und Chairman von Tiscali begann seine Internet-Karriere als Lizenznehmer von Nicola Grausos Video Online (VOL) in der Tschechischen Republik, wo Tiscali heute Marktführer ist. Nach der Übernahme des sardisch-italienischen Internet-Pioniers VOL, der es bis Ende 1996 auf fast 100.000 Abonnenten gebracht hatte, gründete Soru Tiscali. (Frank Fremerey) / (jk)