Tod von Fidel Castro: Kuba erlebt eine Zeit großer Herausforderungen

Am gestrigen Freitagabend verstarb Kubas Revolutionsführer Fidel Castro im Alter von 90 Jahren. Während die meisten Bewohner seines Landes um ihn trauern, feiern Exilkubaner in den USA den Tod des "Máximo Líder" mit Demonstrationen und Hupkonzerten.

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(Bild: Ninian Reid (CC BY 2.0))

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  • mit Material von dpa

Fidel Castro wurde schon viele Male fälschlich für tot erklärt. Jedesmal ließen Exilkubaner die Korken knallen. Er allerdings überlebte alle Todesnachrichten und trotzte in den 47 Jahren seiner Herrschaft insgesamt zehn US-Präsidenten. Diesmal jedoch ist die Meldung authentisch: Der kubanische Ex-Staatschef starb gestern in Havanna. Sein jüngerer Bruder Raúl, seit 2008 Präsident des Staats- und des Ministerrates auf Kuba, verkündete im Staatsfernsehen, dass die Leiche Fidels auf dessen eigenen Wunsch eingeäschert werde.

Das Spektrum der Reaktionen, die nun um die Welt gehen, reicht von Bestürzung bis Freude.

Die kolumbianische Regierung und die linke Guerillaorganisation Farc haben dem Verstorbenen für die Unterstützung des Friedensprozesses in dem südamerikanischen Land gedankt. "Am Ende seiner Tage hat Fidel Castro eingesehen, dass der bewaffnete Kampf nicht der richtige Weg ist", twittert Präsident Juan Manuel Santos. Für das argentinische Fußballidol Diego Maradona war Fidel Castro die "weltweit bedeutendste Persönlichkeit". Russlands Präsident Wladimir Putin betrauert einen "aufrechten und zuverlässigen Freund Russlands", der "zurecht als Symbol einer ganzen Ära der Zeitgeschichte" gelte. Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow sagt: "Wir sind gute Freunde geworden und es immer geblieben."

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini nennt Castro einen "entschlossenen Mann und eine historische Gestalt". Sein Tod geschehe "in Zeiten großer Herausforderungen und Unsicherheiten – und großer Veränderungen in seinem Land". Papst Franziskus sagt in einem Telegramm an Raúl Castro: "Ich bete zum Herrn, dass [Fidel] in Frieden ruhen möge, und vertraue die kubanische Bevölkerung der mütterlichen Fürsprache der Barmherzigen Jungfrau von Cobre an, der Schutzpatronin des Landes."

Der künftige US-Präsident Donald Trump spricht hingegen davon, dass ein "brutaler Diktator" tot ist. Dessen Vermächtnis sei "eines von Schießkommandos, Diebstahl, unvorstellbarem Leid, Armut und der Verweigerung fundamentaler Menschenrechte". Trump verspricht, mit seiner Regierung alles dafür zu tun, dass die "wunderbare" kubanische Bevölkerung "endlich ihre Reise in Richtung Wohlstand und Freiheit beginnen" könne.

Nach dem Sieg der Revolution 1959 über Präsident Fulgencio Batista y Zaldívar lenkte Fidel Castro die Geschicke der Karibikinsel und pflegte dabei eine enge Bindung an die Sowjetunion. Auch nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems hielt Kuba als eines von nur noch wenigen Ländern der Welt am Sozialismus alter Prägung fest. Nur widerwillig und spät machte Fidel Castro Zugeständnisse an die sich wandelnden Zeiten und ließ – nicht zuletzt unter dem Druck wirtschaftlicher Probleme – begrenzte privatwirtschaftliche Strukturen zu.

Am 31. Juli 2006 gab er wegen einer schweren Operation seine Ämter zunächst provisorisch an seinen Bruder Raúl ab, der dann 2008 bei der Neukonstituierung des Staatsrats als Staatschef bestätigt wurde. Obwohl auch Raúl Castro am Machtmonopol der Kommunistischen Partei nicht rütteln ließ, machte das Land vorsichtige Reformschritte. Das betraf nicht zuletzt die IT- und Telekommunikations-Infrastruktur. Erst im laufenden Jahr wurde die lange Eiszeit zwischen Kuba und den USA beendet; Präsident Obama besuchte die Insel. Nach einem Gespräch mit Raúl Castro erklärte Obama: "Wir bemühen uns darum, dass mehr Kubaner Zugang zum Internet und damit zur globalen Wirtschaft bekommen." Dies sei auch ein Ziel der kubanischen Regierung.

Ob sich nun, nach dem Tod des alten Revolutionärs, das Reformtempo auf Kuba erhöhen wird, bleibt abzuwarten. Erst im September 1996 erhielt Kuba über Satellitenverbindungen Zugang zum Internet. Im Jahr 2013 wurde schließlich das Unterseekabel ALBA-1 nach Venezuela aktiviert und damit der Abhängigkeit vom satellitenbasierten Internet ein Ende gesetzt. Dadurch konnte die seit Jahren stagnierende Geschwindigkeit der Verbindung massiv gesteigert werden. Unmittelbar danach wurden 118 Internetcafés eröffnet, im Juli 2015 wurden zusätzlich 35 WLAN-Netze in Parks und anderen stark frequentierten Zonen in Betrieb genommen. Diese Angebote an öffentlichen Internetzugängen werden seitdem stark ausgebaut. (psz)