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Tödlicher Angriff auf Synagoge in Kalifornien: Wieder Ankündigung auf 8chan

Nach rechtsextremen Anschlägen in Pittsburgh und Christchurch wurde wieder eine Synagoge Ziel eines Attentäters. Angekündigt wurde wohl auch der auf 8chan.

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(Bild: Ilkin Zeferli / shutterstock.com)

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Auch der wohl rechtsextrem motivierte Angriff auf eine Synagoge im US-Bundesstaat Kalifornien am Samstag wurde offenbar vorab in in dem anonymen Forum 8chan angekündigt und der Autor dort angefeuert. Bei dem Anschlag im kalifornischen Poway hatte der Täter in dem jüdischen Gotteshaus eine Frau getötet und drei weitere verletzt. Der zuständige Sheriff prüft derzeit, ob eine als Teil der Ankündigung unter dem Namen des Täters online gestellte Hetzschrift authentisch ist. In dem antisemitischen Pamphlet nennt der Autor nicht nur den mutmaßlichen Attentäter im neuseeländischen Christchurch als Inspiration, sondern auch Adolf Hitler.

In einem Eintrag vom Samstag wurde der Anschlag möglicherweise erstmals öffentlich angedroht, verbunden mit einem Dank an die Community. Verlinkt wurde darin auch ein Facebook-Profil unter dem Namen des mutmaßlichen Täters, auf dem "in Kürze" ein Livestream erscheinen sollte. Ein Livestream tauchte auf Facebook aber nicht auf, inzwischen ist das Profil gesperrt. Stattdessen wurden nur zwei Fotos gepostet – am selben Tag hochgeladen, an dem auch das Pamphlet erstellt wurde. Möglicherweise sollten Medien die Bilder verwenden. 8chan selbst hat auf Twitter erklärt, dass die mutmaßliche Ankündigung des Anschlags schnell gelöscht worden sei.

Das anonyme Forum 8chan war im Zuge der "Gamergate"-Kontroverse bekannt geworden, als viele Nutzer das bekanntere anonyme Imageboard 4chan verließen, nachdem Einträge zu dem Thema dort gelöscht worden waren. 8chan-Gründer Fredrick Brennan sah dann aber bald, wie sich immer mehr Rechtsextreme auf der Seite zu Wort meldeten, erklärte er jüngst in einem Interview. Auch der Angriff auf zwei Moscheen in Christchurch vor zwei Monaten wurde bei 8chan angekündigt.

Brennan hat inzwischen mit der Seite nichts mehr zu tun und zeigte sich betroffen, dass sie mit dem Anschlag in Neuseeland in Verbindung stand. Nachahmer hatte er da bereits für möglich gehalten und erklärt, um hasserfüllten Inhalten zu begegnen, müsse das Internet "völlig neu aufgebaut werden" – "mit Zensur im Kopf".

Ein Autor der Rechercheplattform Bellingcat hat die Äußerungen der anonymen 8chan-Nutzer genauer untersucht. Seine Analyse zeigt Beispiele dafür, wie dort in dem Bereich "/pol" zur Gewalt animiert und der mutmaßliche Täter von Christchurch gepriesen wird. Markenzeichen seien vor allem die Insider-Witze und Beiträge, die Leser provozieren und ablenken sollen. Angesichts dessen stelle sich die Frage, was man überhaupt ernst nehmen könne. Für den Autor ist klar: "Das Nazi-Zeug. Nehmt das Nazi-Zeug ernst."

Denn immer wieder finden sich in Dialogen auf 8chan Nazi-Symbole und nationalsozialistische Inhalte. Insgesamt gehe es darum, Hass und Gewalt zu säen, um Menschen zu radikalisieren. Ob dabei Muslime oder Juden als hauptsächliche Feinde ausgemacht werden, sei derzeit einer der größten Streitpunkte unter Rechtsextremen, erklärt Miro Dittrich von der Amadeu Antonio Stiftung auf Twitter. Er sagt auch, dass der mutmaßliche Attentäter von Poway auf 8chan derzeit entweder als Held bezeichnet wird oder als Verlierer, weil er "zu wenige umgebracht hat". Andere hielten den Anschlag für fingiert.

Unterdessen hat der umstrittene Youtuber Felix "Pewdiepie" Kjellberg ebenfalls auf den Anschlag reagiert und ein Ende für das Meme "Subscribe to Pewdiepie" gefordert. In dessen Rahmen war es ursprünglich darum gegangen, dafür zu sorgen, Kjellberg weiterhin auf Platz 1 der Rangliste bei Youtube zu halten. Im Laufe der Zeit ist das Meme aber immer radikaler geworden. Auch "Pewdiepie" hatte mit Clips dazu beigetragen, die in Indien inzwischen nach Rassismus-Vorwürfen und einem darauf folgenden Gerichtserlass nicht mehr angeschaut werden können. Der Attentäter von Christchurch hatte sich auf das Meme bezogen und der Attentäter von Kalifornien hatte wohl ebenfalls Bezug auf Kjellberg genommen. (mho)