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Toll Collect: Bis zu sieben Prozent Fehlerquote beim Kennzeichen-Scan

Die Kennzeichenerfassung des LKW-Mautsystems Toll Collect hat eine Fehlerrate von vier bis sieben Prozent, wie die zuständige Behörde widerwillig mitteilte.

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Eine Kontrollsäule von Toll Collect.

(Bild: Toll Collect)

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Das deutsche LKW-Mauterfassungssystem Toll Collect hat offenbar vergleichsweise hohe Fehlerraten in der automatischen Erfassung von Kennzeichen. Das geht aus einer Antwort des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) hervor, die auf die Anfrage von Aktivisten der Gruppe Freiheitsfoo erfolgte. Demnach hat die Behörde zwischen September 2018 und März 2019 Raten korrekter Kennzeichenerfassung zwischen 93,10 Prozent und 96,01 Prozent ermittelt.

Daten könne das BAG erst seit vergangenem September bieten, also seitdem der Bund das Mautsystem von dem privaten Trägerkonsortium übernommen hat, heißt es in der Antwort der Behörde, die auf Fragdenstaat.de veröffentlich wurde. Aktuellere Zahlen über den März hinaus lägen noch nicht vor. Die Quote werde aus der "Gesamtzahl der in einer Stichprobe korrekt identifizierten mautpflichtigen Fahrzeuge" und der "Gesamtzahl der in der Stichprobe tatsächlich mautpflichtigen Fahrzeuge" ermittelt. Absolute Zahlen, die die Dimensionen der Fehlerkennungen verdeutlichen, lieferte die Antwort nicht. heise online hat dazu noch mal beim Bundesamt für Güterverkehr nachgefragt, eine Antwort steht noch aus.

Die Kennzeichenerfassung dient zur Prüfung, ob für passierende LKWs auch korrekt die Autobahnmaut abgeführt wurde. Das System erlaubt Vorabbuchungen im Internet, Zahlungen an Mautstellenterminals oder die automatische Abrechnung über ins Fahrzeug integrierte On-Board-Module mit GPS und Mobilfunk (kurz OBU).

Laut Toll Collect werden an 300 Kontrollbrücken und 600 Säulen an Autobahnen und Bundestraßen Daten von diesen OBUs abgefragt und Kennzeichen gescannt. Bei Fahrzeugen ohne OBU erfolgt anhand des Kennzeichenbilds ein Abgleich im Toll Collect Rechenzentrum, ob Buchungen vorliegen. Bei korrekten Buchungen werden die Bilder verworfen, ansonsten werden Daten für die Ahndung von Toll Collect ans BAG geschickt.

Sonderlich bereitwillig gab die Behörde die Informationen zur Fehlerquote nicht preis. Zunächst stellte Freiheitsfoo im März eine Anfrage unter dem Informationsfreiheitsgesetz, das den Rechtsanspruch auf amtliche Informationen von Bundesbehörden garantiert. Darauf folgte im Juni zunächst ein ablehnender Bescheid.

"Durch ein Bekanntwerden Ihrer gewünschten Informationen würde das Kontrollkonzept des Bundes im Zusammenhang mit Erhebung der Maut erheblich beeinträchtigt werden“, erklärte darin die Behörde. Die "ordnungsgemäße Kontrolle der Maut als hoheitliche Aufgabe und letztlich auch die vollständige Einnahme der Maut"“ könne durch die Herausgabe der Informationen gefährdet sein.

Erst nachdem Freiheitsfoo Widerspruch gegen den Negativ-Bescheid einlegte, lenkte die Bundesbehörde ein und erteilte im August Auskunft. Offene Fragen bleiben für die Aktivisten dennoch. So werde etwa nicht zwischen Nichterkennung (false negative) und Falscherkennung (false positive) unterschieden. Auch in welchem Umfang und wo die Stichproben erhoben wurden, blieb unklar, ebenso der Umgang mit Erkennungsfehlern. (axk)