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Tollkühne Männer in ihren fliegenden Dosen: Die Apollo-Mondmissionen

Lange Vorbereitung und ein katastrophaler Rückschlag – mit Apollo 11 klappte dann die Mondlandung. Apollo 17 brachte den vorerst letzten Mann auf den Mond.

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Apollo 15

(Bild: NASA)

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Inhaltsverzeichnis

Am 16. Juli 1969 war es soweit: Apollo 11 brach zur ersten Mondlandung auf - und am 20. Juli landete die Mondfähre Eagle mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond, während Michael Collins in der Apollo-Kapsel den Mond umkreiste. Am 21. Juli setzte dann Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. In einem Schwerpunkt zur Mondlandung beleuchtet heise online die Ereignisse rund um die Apollo-Missionen.

Als US-Präsident Kennedy am 25. Mai 1961 vor den US-amerikanischen Kongress trat, hatte er große Pläne im Gepäck. Die Pioniertaten der russischen Raumfahrt vom Sputnik, dem ersten Satelliten in einer Erdumlaufbahn im Jahr 1957, bis zu Juri Gagarin, dem ersten Menschen im All nur wenige Wochen vor Kennedys Auftritt, setzten die amerikanische Nation in ihrem Selbstverständnis als Führungsnation unter Druck.

In seiner Rede zur Lage der Nation kündigte er daher mit der bemannten Mondlandung noch im gleichen Jahrzehnt ein ehrgeiziges Vorhaben an, das der USA endlich die Vorherrschaft in der Raumfahrt sichern sollte. Das Ziel war gesteckt – der Weg dahin noch nicht. Denn bis auf ein paar grobe Studien war noch gar nicht klar, wie die Umsetzung aussehen sollte. Es mussten unter enormen Zeitdruck Technologien erforscht und zur praktischen Anwendung entwickelt werden. Koste es, was es wolle.

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"Ich glaube, dass diese Nation sich dazu verpflichten sollte, noch vor dem Ende dieses Jahrzehnts das Ziel zu erreichen, einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn dann sicher wieder zur Erde zurückzubringen", betonte Kennedy in seiner Rede. Rund zwei Jahre danach wurde er ermordet und sollte es nicht mehr erleben: Ein knappes halbes Jahr vor der von ihm gesetzten Frist wurde das Ziel Realität.

Der Traum von der Mondlandung war auch eine Folge des Zweiten Weltkriegs. Nach dessen Ende wurde die globale politische Macht neu verteilt, zwei Blöcke kristallisierten sich heraus: die Westmächte unter Führung der USA und die Ostmächte unter Führung der Sowjetunion. Eine Systemkonfrontation von Kapitalismus und Kommunismus, die in den Jahrzehnten darauf fast alle Bereiche des wirtschaftlichen und politischen Lebens bestimmen und bis in den Weltraum hineinreichen sollte.

Der Kalte Krieg mündete nie in direkter militärischer Konfrontation, aber spielte sich auf unzähligen Ebenen in Stellvertreter-Arenen ab: Wettrüsten, auch nuklear, Spionage und Gegenspionage, Koreakrieg, Kubakrise, Vietnamkrieg, Bau der Berliner Mauer.

1957 schoss die Sowjetunion Sputnik 1 ins All, den ersten künstlichen Erdsatelliten, und verschaffte dem Konflikt damit eine weitere Dimension. Das Zeitalter der Raumfahrt begann. Dem Gegner konnte so vor den Augen der Weltöffentlichkeit einschüchternd die neueste Raketentechnologie präsentiert werden, ohne dass gleich ein Krieg angezettelt wurde.

Sputnik 1 war darum für die USA ein Schock. Die Sowjetunion schien die Nase vorn zu haben und über extrem leistungsfähige Raketen zu verfügen. Mit verstärkten Kräften legten die USA nach: 1958 folgte der erste US-Satellit Explorer 1, entwickelt unter der Leitung des deutsch-amerikanischen Raketenwissenschaftlers Wernher von Braun. Im selben Jahr wurde der Grundstein für den Aufbau der US-Raumfahrtbehörde NASA gelegt.

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(Bild: Max Siegmayer, CC BY-SA 4.0 )

Dennoch legte zunächst erneut die Sowjetunion vor: 1959 ließ sie mit Lunik 2 erstmals eine Sonde auf dem Mond aufschlagen, 1961 wurde Juri Gagarin zum ersten Menschen im Weltraum. Zwar dauerte es nur weniger als einen Monat, bis die Amerikaner mit Alan Shepard auch einen Menschen in den Weltraum geschickt hatten – aber die Russen waren wieder einmal die Ersten. Das "Space Race", das Wettrennen um den Weltraum, wurde hitziger.

US-Präsident Kennedy wollte das Ruder ein für alle Mal herumreißen, als er 1961 vor den Kongress trat und einen Amerikaner auf dem Mond noch vor Ende des Jahrzehnts ankündigte. Dafür wurde das Projekt Apollo ins Leben gerufen. "Ich habe das Raumschiff benannt, wie ich mein Baby benennen würde", soll der damalige NASA-Chef Abe Silverstein gesagt haben. Apollo, der griechische Gott des Lichts, der auf einem Triumphwagen zur Sonne reitet, sei ein angemessener Namensgeber – "angesichts der Dimension des vorgeschlagenen Programms".

Eine Übersicht über die Apollo-Missionen bringt das Sonderheft von "Space – Das Weltraum-Magazin" zum 50. Jahrestag der Mondlandung. Anlässlich des Jubiläums ist es am 20. und 21. Juli portofrei im heise shop zu bestellen.

Das Budget der NASA wurde um 400 Prozent erhöht, rund 400.000 Menschen arbeiteten direkt oder indirekt an "Apollo" mit. So schnell musste die NASA neue Mitarbeiter einstellen, dass viele gar nicht erst groß zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, sondern direkt angeheuert wurden. So kam es, dass der damals erst 26 Jahre alte Steve Bales während der Mondlandung die Kontrollstation beaufsichtigte. "Da saß ein 26 Jahre altes Kind – ein Kind, dass eine Raumfahrtmission hätte stoppen können", sagte Bales kürzlich der britischen BBC. Die jungen Mitarbeiter hätten vieles erst möglich gemacht, meint Apollo-Manager Gerry Griffin. "Es war nicht so, dass sie die Risiken nicht verstanden. Aber sie hatten keine Angst."

Das rund 24 Milliarden Dollar teure "Apollo"-Projekt lieferte - auch wenn es für die Öffentlichkeit mit einer schrecklichen Katastrophe begann.