Top Level Domain: Käufer der .org-Registry will externer Aufsicht zustimmen

Beim umstrittenen .org-Deal will Ethos Capital auf die Kritiker zugehen und Regeln akzeptieren. Außerdem soll es ein unabhängiges Gremium mit Vetorecht geben.

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(Bild: alphaspirit/Shutterstock.com)

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Die internationale Dachorganisation für die Pflege der Internet-Infrastruktur, die Internet Society (ISOC), möchte die Registry-Organisation für die Verwaltung der .org-Domain an einen privaten Investor verkaufen. Für dieses Vorhaben haben die ISOC und die für IP-Adressen und das Domain Name System zuständige ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) von mehreren Seiten Kritik auf sich gezogen. Der Kaufinteressent Ethos Capital will nun offenbar einen Schritt auf die Kritiker zugehen und Regeln gegen übermäßige Gebührenerhöhungen sowie ein externes Kontrollgremium mit Vetorecht akzeptieren.

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Sollte Ethos Capital den .org-Registrar Public Interest Registry (PIR) für mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar von der ISOC übernehmen, will sich das Unternehmen rechtlich verbindlichen Regeln beugen, die etwa drastische Gebührenerhöhungen für nicht-kommerzielle Domaininhaber ausschließen sollen, heißt es bei Business Wire. Außerdem würde Ethos Capital einen unabhängigen Verwaltungsausschuss (".ORG Stewardship Council") akzeptieren, der ein Vetorecht bei Änderungen an PIR-Richtlinien zu Zensur, Redefreiheit und der Nutzung von Userdaten (Domaininhabern) hätte. Die ISOC, an die die PIR ihre Überschüsse anführt, hat den geplanten Verkauf damit begründet, ihre Abhängigkeit vom Domaingeschäft zwecks Verbreiterung der Finanzgrundlage überwinden zu müssen.

Innerhalb der ICANN gibt es unterschiedliche Ansichten zu dem geplanten Verkauf, der derzeit geprüft wird. So hatten etwa Nutzervertreter angemahnt, der Verkauf könne von der ICANN nicht ohne eine Anhörung entschieden werden. Kürzlich hat sich der Generalstaatsanwalt von Kalifornien mit dem Vorgang befasst und will nun von der ICANN unter anderem wissen, wie die Umwandlung der Non-Profit-Organisation PIR in ein kommerziellen Unternehmen ablaufen soll. Der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania wiederum hat sich mit Fragen bereits schriftlich an ISOC, PIR und Ethos Capital gewendet. Wie The Verge meldet, will die PIR die Prüfung des Verkaufs bis zum 20. März fortsetzen – also bis nach dem ICANN-Treffen vom 7. bis 12. März in Cancun, das voraussichtlich wegen des Coronavirus lediglich als Online-Konferenz stattfinden wird. (tiw)