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Torvalds reagiert auf Desktop-Kritik von Miguel de Icaza

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Als "lächerlich" bezeichnet Linus Torvalds die Behauptung von Miguel de Icaza, er selbst hätte für die Entwicklung des linux-Kernels eine Haltung vorgegeben, die für die Probleme von Linux auf dem Desktop mitverantwortlich ist. Das schreibt der Linux-Vater in seinem Kommentar zu einem Google+-Posting, das auf den Blog-Eintrag des Gnome-Mitgründers Miguel de Icaza verweist, in dem dieser Gründe für das Scheitern des Linux-Desktop aufzählt.

Torvalds weist darauf hin, es gehöre zu den Kernregeln des Kernels, keine externen Schnittstellen auf inkompatible Weise zu verändern; die Tatsache, dass sich interne Schnittstellen ändern, sei in dem Zusammenhang vollkommen irrelevant und ein argumentatives Ablenkungsmanöver ("Red Herring"). Er würde sich wünschen, schreibt Torvalds, die Gnome-Entwickler – Miguel De Icaza hat das Gnome-Projekt mitbegründet – hätten die Regeln des Kernels verstanden. Der Linux-Kernel sei seiner Ansicht nach so erfolgreich, eben weil es keine größere Zielvorgabe gebe; das Gros der seit 1992 vorgenommenen Änderungen sei von außen herangetragen worden, weil jemand etwas brauchte oder wollte. Das sei das genaue Gegenteil der "Wir wissen es besser"-Mentalität im Gnome-Umfeld.

Direkt auf Torvalds Kommentar folgt eine Antwort von Miguel de Icaza, in der er auf die Kritik Torvalds eingeht und einige Argumente aus seinem Blog-Eintrag angesprochenen Punkte erläutert. Dabei betont er auch, dass er seit fünf Jahren nicht mehr im Gnome-Projekt aktiv ist und es unfair sei, seine Position den Gnome-Entwicklern zuzuschreiben.

Der Diskussions-Thread auf Google+, in dem sich auch einige weitere Linux-Urgesteinen wie Alan Cox, Ingo Molnar und Theodore Ts'o zu Wort melden, geben einige (teilweise unterhaltsame) Einblicke in die Sichtweisen der Entwickler. Nach 109 Kommentaren hat der Autor des Postings, der die Diskussion ausgelöst hat, das Kommentieren deaktiviert; Torvalds hat sich in der ganzen Debatte nur das eine Mal zu Wort gemeldet. (thl)