Torwächter für Tauschbörsianer

Das Freeware-Programm "PeerGuardian" soll Nutzer von Online-Tauschbörsen vor Schnüffelattacken von Rechteinhabern schützen.

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Von
  • Nico Jurran

Das Freeware-Programm "PeerGuardian" soll Nutzer von Online-Tauschbören vor Schnüffelattacken von Rechteinhabern schützen. Die Software kommt damit gerade zur rechten Zeit: Ende April hatte die Recording Industry Association of America (RIAA) eine neue Initiative gestartet, bei der der Verband der US-Musikindustrie über die Kurznachrichtenfunktion von Filesharing-Clients eine Nachricht an rund 200.000 User der P2P-Tauschbörsen Kazaa und Grokster verschickte. In dem Text wies die RIAA darauf hin, dass "Verbreitung und Herunterladen von Musik ohne Einwilligung der Eigentümer illegal ist", und User, die es trotzdem tun, "rechtliche Schritte" befürchten müssen.

Die Aktion habe zwar "rein erzieherischen Charakter", betonte die RIAA, allerdings wolle man die Daten der jetzt kontaktierten User speichern. Zuvor hatten die Musik- ebenso wie die Filmindustrie in ihrem Kampf gegen Online-Tauschbörsen eine schwere Schlappe hinnehmen müssen: So verweigerte ein US-Gericht die Schließung von Online-Tauschbörsen. Nun befürchten viele Tauschbörsianer, die urheberrechtlich geschütztes Material tauschen, dass die Musik- und Filmindustrie alles daran setzen wird, jeden einzelnen von ihnen aufzuspüren.

Hier setzt PeerGuardian ein, dessen Aufgabe es (vereinfacht gesprochen) ist, als Firewall-Programm "böse" IP-Adressen auszusperren -- frei nach dem Motto: "Sprich nicht mit 12.13.14.15, das ist ein RIAA-Rechner, der dich nur ausspionieren will." Der Haken an der Sache ist damit aber auch klar: Woher soll das Programm wissen, welche IP-Adresse "gut" und welche "böse" ist? Hier setzen die Programmierer auf Listen bekannter Adressen von RIAA & Co. Wie gut diese sind, kann aber (außer der RIAA) niemand beurteilen. Der PeerGuardian ist daher mit einer gehörigen Portion Skepsis zu betrachten: Diese Methode dürfte mittelfristig scheitern, da die "Spione" ihre Adressen quasi beliebig ändern können. Die PeerGuardian-Unterstützer dagegen haben kaum eine Möglichkeit, automatisch herauszufinden, welche Adressen gerade verwendet werden. Sobald die "Spione" PeerGuardian also in irgendeiner Weise ernst nehmen, könnten sie es einfach umgehen -- während die Gegenseite keine Möglichkeit hat, nachzuziehen. (nij)