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Total digital: Fuldaer Schule ist Vorbild in Sachen Digitalisierung

Schnelles Internet, ein Konzept, Budget und ausgebildete Lehrer: Eine Mädchenschule in Fulda ist Vorreiter in der Schuldigitalisierung.

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(Bild: dpa, Marc Tirl/Symbolbild)

Highspeed-Internet in jedem Klassenraum: Die Schüler der Fuldaer Marienschule dürften von vielen Gleichaltrigen in Hessen beneidet werden. Hinzu kommen Lehrer, die den Umgang mit modernen Medien und Geräten wie Handys nicht nur fördern, sondern auch fordern – ein Traum.

Die Marienschule gilt als Vorzeigeschule in Sachen Digitalisierung. Sie wurde für ihr Medienkonzept als eine von zwölf Schulen in Deutschland ausgezeichnet und darf sich "MINT-freundliche Schule digital Plus" nennen.

Wo die Mädchenschule, ein staatlich anerkanntes Gymnasium und eine Fachschule für Sozialpädagogik in freier Trägerschaft, angekommen ist, wollen viele Schulen noch hin. Die Aufgabe lautet: Wie macht man sie fit für modernen Multimedia-Unterricht? Dafür braucht es eine Menge: Internet- und WLAN-Netze, Hardware, Software, aus- und fortgebildete Lehrer – kurzum: ein umfassendes Konzept, wie Wissensvermittlung in der Zukunft funktionieren soll.

Mit der Frage befasst sich in dieser Plenarwoche im Wiesbadener Landtag einmal mehr die Politik. Am Donnerstag will Hessens Kultusmister Alexander Lorz (CDU) Stellung beziehen. Denn vor kurzem haben sich Bund und Ländern auf einen Digitalpakt geeinigt. Zur Unterstützung der Schulen werden fünf Milliarden Euro bereitgestellt. Das Kultusministerium rechnet damit, dass rund 70 bis 75 Millionen Euro pro Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren nach Hessen fließen. Und an dem Punkt geht es schon los mit der Debatte.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie Schulen und Lehrer fordern langfristige Planungs- und Finanzierungszusagen. "Alles andere ist Symbol-Politik. Da wird der nächste Stier durch die Arena gejagt", sagt Oswald Post. Der Oberstudiendirektor ist Leiter der Marienschule und kennt diverse Ideen von Schulen und Versuche zur Digitalisierung. "Zunächst braucht man ein medien-pädagogisches Konzept, langfristige Budgets und vor allem Lehrer-Fortbildungen in allen Fächern", erklärt Post. Und damit nicht genug. Peter Bach, Medienbeauftragter an der Fuldaer Marienschule, ergänzt: "Parallel zur Entwicklung der Inhalte sollte ein starkes WLAN-Netz und Server-Technik aufgebaut werden." Zudem werde Präsentationstechnik gebraucht: Anzeigegeräte, Monitore und Dokumenten-Kameras, die Nachfolger der Overhead-Projektoren.

Das alles kostet viel Geld. Die Fuldaer Marienschule hat einen Medien-Etat von rund 30.000 Euro pro Schuljahr. Gedeckt wird er unter anderem mit Haushaltsmitteln, Schulgeld, Eltern- und Sachspenden. Bei der Vergabe der Bundesmittel pocht die GEW auch auf eine gerechte Verteilung. Und sie fordert die Einstellung von Technik-Personal für die Schulen, keine etwaige Vergabe von Aufträgen an externe Dienstleister.

Mit komplizierten Fragen zur Bildungs-Infrastruktur müssen sich die Schüler der Marienschule nicht befassen. Sie bringen ihre Handys mit in die Schule und fertig. Telefonieren dürfen sie aber nur in einer mit einem Schild ausgewiesenen Handyzone. Damit nicht heimlich im Unterricht gesurft oder gechattet wird, müssen die Mobiltelefone in Handy-Garagen geparkt werden – das sind Kästen mit Ablagefächern. Nur auf Aufforderung dürfen sich die Schüler ihre Geräte schnappen und festgelegte Apps für den Unterricht öffnen. Oder sie präsentieren wie die 15-jährige Jolin etwas auf dem Handy oder einem Blatt Papier, indem sie es unter die Dokumenten-Kamera legen. So ist es für die Klasse auf einem Bildschirm sichtbar.

Die Einsatzmöglichkeiten von Smartphones sind im Unterricht vielfältig. "Es sind nicht nur Kommunikationsgeräte, sondern Mini-Computer. Damit können die Schüler mehr machen, als sich auf Instagram oder Facebook in sozialen Netzwerken zu bewegen", erklärt der Marienschule-Medienbeauftragte Bach. "Viele nutzen ja nur einen Bruchteil der Möglichkeiten aus."

Bachs Schüler nutzen im Unterricht zum Beispiel eine Physik-App (phyphox). Die darin enthaltene akustische Stoppuhr verwenden sie etwa zur Messung der Schallgeschwindigkeit. Und wenn Bach mal bei einer Kurvendiskussion im Mathematik-Unterricht ein paar Parameter ändert, ist das mit wenigen Handgriffen getan und sehr anschaulich.

Im Unterricht würden etwa zwei Dutzend Handy-Apps genutzt, sagt Bach. Dass die Schüler ihre eigenen Geräte einbringen und dem Medienkonzept ("bring your own device") folgen, habe vor allem Vorteile. Die Schüler kennen sich damit aus, sie sorgen selbst dafür, dass die Geräte aufgeladen und auf dem neuesten Stand sind. Koffer voller Tablet-PCs zu kaufen und zum Einsatz zu bringen, sei aufwendig und vor allem "Geldverschwendung", wie Schulleiter Post sagt.

Nell Bankowska, die mit ihren Mitschülerinnen Lisa-Marie Reith und Luca Ruhl, mit dem Handy Physik-Aufgaben in der Klasse 10b löst, ist begeistert vom Digital-Konzept der Schule. "Ich finde es gut. Diese Methoden bereiten gut aufs Studium und die moderne Arbeitswelt vor", sagt sie. "Man ist fit für Multimedia-Präsentationen und lernt auch wie man sich sicher und verantwortungsbewusst im Internet bewegt." Nachteile sehe sie keine. Für Schulleiter Post dient das seit Jahren bestehende Digital-Konzept vor allem einem Ziel: "Wir wollen die Medienkompetenz der Schülerinnen in jeglicher Hinsicht stärken." (olb)