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Touchdown bei ESA-Mission Rosetta: Sonde Philae ist auf Kometen gelandet

Zum ersten Mal ist es gelungen, ein Raumfahrzeug auf einem Kometen zu landen. Die von der ESA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelte Sonde Philae hat am Mittwoch auf 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aufgesetzt.

ESA-Mission Rosetta: Sonde Philae ist auf Kometen gelandet

So könnte der entscheidende Moment der Landung ausgesehen haben.

(Bild: ESA/ATG medialab)

Der ESA-Lander Philae hat auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aufgesetzt. Nach sieben Stunden Anflug konnte das Team auf der Erde diese historische Premiere in der Raumfahrtgeschichte bejubeln. Offenbar war es auch kein Problem, dass die Steuerdüsen, die den Lander an den Kometen drücken sollten, nicht funktionierten. Die Sonde musste sich lediglich mit kleinen Harpunen festhalten. Die Gravitation auf dem Kometen reicht nicht aus, den Lander sicher festzuhalten.

Philae beim Anflug zu dem Kometen.

(Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA )

Philae hatte sich am Mittwochmorgen nach mehren abschließenden Checks von Rosetta gelöst und war dann langsam in Richtung des Kometen geflogen. Währenddessen nahm Rosetta seine ursprüngliche Position im Orbit des Himmelskörpers wieder auf. Beide Sonden machten während des Landeanflugs Fotos voneinander und Philae begann auch rasch damit, Daten zu sammeln. Für den Lander dient Rosetta nun als Relais, denn alleine kann er nicht bis zur 500 Millionen Kilometer entfernten Erde funken.

Diese Aufnahme ist Philae mit der ROLIS-Kamera beim Landeanflug gelungen.

(Bild: ESA/DLR)

[Update 12.11.14 – 17:20 Uhr] Bereits wenige Minuten nach der Bestätigung versuchte ESA-Direktor Jean-Jacques Dordain diesen Erfolg einzuordnen: "Wir sind die ersten, denen das gelungen ist. Und das wird für immer so bleiben." Lob kam auch von Volker Bouffier, dem Ministerpräsident Hessens – wo das ESA-Kontrollzentrum liegt –, der die Landung als "epochal" bezeichnete. Es sei ein großer Tag für die ganze Menschheit und ein ganz besonderer für Hessen.

[Update 12.11.14 – 17:30 Uhr] Brigitte Zypries, im Bundeswirtschaftsministerium für Raumfahrt zuständig, erklärte, die Mission zeige, wozu ein vereintes Europa fähig sei. Kein europäisches Land hätte eine solche Mission alleine stemmen können.

[Update 12.11.14 – 18:10 Uhr] Koen Guerts vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, wo Philae entwickelt wurde und nun gesteuert wird, hat inzwischen auch bestätigt, dass die empfangenen Daten auf eine sanfte Landung hindeuten. Wie befürchtet, habe die Steuerdüse, die Philae an den Kometen drücken sollte, aber nicht gezündet. Außerdem sei die Verankerung nicht ganz planmäßig verlaufen. Deswegen könne man noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bestätigen, dass Philae auch wirklich fest auf dem Kometen steht. Eventuell werde man versuchen, die Anker noch einmal auszulösen. Trotz dieser Probleme zeigten die übertragenen Daten aber eine erfolgreich verlaufene Landung.

[Update 13.11.14 - 07:35 Uhr] Stephan Ulamec, Philae-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, vermutet, dass Philae womöglich sogar noch einmal abhob, dann aber wieder auf den Kometen zurückkehrte. "Wir sind also zweimal gelandet", sagte er im Scherz. Nach den letzten Daten scheint der Lander nun aber stabil auf der Oberfläche zu stehen.

Die Oberfläche stellte sich nach ersten Daten als eher weich heraus. An vielen Stellen ist der Komet mit Gesteinsbrocken übersät, es gibt aber auch hoch aufragende Felswände und steile Abgründe.

[Update 13.11.14 - 10:08] Das ESA-Kontrollzentrum hat mittlerweile wieder Kontakt zum Lander Philae, nachdem es in der Nacht eine Zwangspause gab: Die Sonde Rosetta, die auch als Relais für den Funkkontakt von Philae zur Erde dient, befand sich auf ihrer normalen Flugbahn hinter dem Kometen. Die neuen Daten weisen laut ESA ebenfalls darauf hin, dass Philae derzeit stabil auf dem Kometen steht. Man befürchtet momentan nicht, dass der Lander wieder vom Kometen abhebt.

Live-Stream der ESA

Als Rosetta und Philae im März 2004 an Bord einer Ariane 5 startete, waren mehr als 10 Jahre vergangen, seit die ESA die Mission offiziell genehmigt hatte. Nach Jahren der Entwicklung und Vorbereitung war dann im Herbst 2003 eine Ariane 5 beim Start explodiert, weswegen der Start von Rosetta verschoben wurde. Das eigentliche Ziel, der Komet 46P/Wirtanen war deswegen nicht mehr zu erreichen. Mit der ursprünglichen Konfiguration war stattdessen nun 67P/Tschurjumow-Gerassimenko machbar; inzwischen ist das auch Rosettas Komet.

Auf dem Flug holte Rosetta mit Philae bei insgesamt vier Vorbeiflügen an inneren Planeten Schwung für die weite Reise zu 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Dreimal ging es dabei an der Erde vorbei und einmal am Mars. Außerdem passierte die Sonde die Asteroiden Lutetia und Štein, bevor dann im Juni 2011 eine zweieinhalbjährige Ruhephase begann. In dieser wurden die Systeme abgeschaltet, um Energie zu sparen. Die Sonne war zu weit entfernt, um die Solarantennen ausreichend zu versorgen. Anfang 2014 wachte Rosetta wieder auf und nahm den letzten Teil des Anflugs an den Kometen in Angriff.

Mit der Landung von Philae können nun beide Sonden 67P/Tschurjumow-Gerassimenko ausgiebig erforschen und einen Blick in die Frühzeit unseres Sonnensystems werfen. Kometen gehören zu den ältesten und urtümlichsten Überbleibseln aus dieser Zeit. Es wird vermutet, dass sie eine Rolle bei der Entstehung des Lebens gespielt haben.

heise online verfolgt die Geschehnisse live aus dem ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt und wird diese Meldung entsprechend aktualisieren beziehungsweise mit neuen Meldungen von den Ereignissen berichten.

Technology Review hat erklärt, wie Philae den Kometen harpunieren und sich gewissermaßen daran festhalten soll.

(Bild:  Wie man einen Kometen harpuniert )

(mho)

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