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Tourismus-Riese Airbnb: Private Online-Zimmervermittlung war gestern

Einen großen Teil der Wohnungen auf Airbnb bieten mittlerweile professionelle Vermieter an, hat eine Datenanalyse ergeben. Die Plattform soll längst Teil der globalen Tourismus-Industrie sein, ohne die gleichen Auflagen beachten zu müssen.

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Tourismus-Riese Airbnb: Private Online-Zimmervermittlung war gestern

(Bild: dpa / Jens Kalaene)

Als Geheimtipp für die Zimmervermietung von Privat an Privat war Airbnb einst angetreten. Die US-Unterkunftsplattform selbst sieht sich nach wie vor als Teil der Sharing Economy, nicht als klassischer Vermittler von Ferienwohnungen mit entsprechend strengen Regeln und Steuerlasten. Doch vom ursprünglichen Ansatz ist offenbar wenig übrig geblieben: Bei einem großen Teil der Airbnb-Vermieter soll es sich mittlerweile um gewerblich agierende Profis handeln, nicht mehr um Privatleute, die ihre Wohnung mit Fremden teilen. Dies zeigt nach Angaben der Süddeutschen Zeitung eine Datenanalyse, die sie zusammen mit De Tijd aus Belgien, Le Monde aus Frankreich und Trouw aus den Niederlanden durchgeführt hat.

Die ausgewertete Datenbank umfasst demnach sämtliche Übernachtungsplätze, die Airbnb in den zehn größten deutschen Städten im System hat. Es gehe um 37.000 Zimmer und Wohnungen, die mindestens einmal tatsächlich gebucht worden seien. Das ergibt Schlafgelegenheiten für über 100.000 Personen. Allein in Berlin sind dem Bericht zufolge mehr als 38.500 Betten im Angebot. Die gesamte offizielle Tourismusindustrie biete in der Hauptstadt 139.000 Übernachtungsplätze.

Zimmer, bei denen nur einzelne Schlafplätze vermietet werden, machen weniger als zwei Prozent aller Angebote hierzulande aus. In 40 Prozent der Fälle bekomme der Gast zumindest einen eigenen Raum in einer Wohnung angeboten. Für Airbnbs Kerngeschäft sorge mit 58 Prozent das Vermieten ganzer Appartements oder Häuser. Rund 18 Prozent der inserierten Wohnungen gehörten zu einem Vermieter, der noch mindestens eine weitere im Angebot habe. Mindestens 34 Anbieter auf dem deutschen Markt vermieteten zehn oder mehr Appartements parallel. Die Firma sei daher längst ein "globaler Tourismusanbieter", der mit Hotelketten und Portalen wie Booking.com oder HRS konkurriere.

Airbnb hat bereits vielerorten Ärger mit städtischen Behörden, da Ferienwohnungen als Gewerbe gelten und nicht einfach in Wohngegenden angeboten werden könnten. Über die Plattform würden oft Zweckentfremdungsverbote und Steuerzahlungen umgangen, klagen viele Gemeindeverwalter. Die Vermittlungsplattform sieht trotzdem nach wie vor "für die Einhaltung lokaler Regeln die Gastgeber selbst verantwortlich". Lediglich "in typischen Ferienregionen" arbeite Airbnb auch mit gewerblichen Anbietern zusammen. (Stefan Krempl) / (anw)

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