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Toyota gibt bis 2030 freien Zugang zu seinen Hybrid-Patenten

Der japanische Automobilhersteller Toyota gibt fast 24.000 Patente zur Hybridtechnik-Entwicklung frei.

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Toyota gibt bis 2030 freien Zugang zu seinen Hybrid-Patenten

Prius

(Bild: Toyota)

Der japanische Automobilhersteller Toyota gibt 23.740 Patente aus über 20 Jahren Hybridtechnik-Entwicklung zur gebührenfreien Nutzung frei. Die Freigabe gilt ab sofort bis Ende des Jahres 2030 und geschieht vor dem Hintergrund des Absatzplans für die Verbreitung elektrifizierter Fahrzeuge bis zum Jahr 2030. Dabei handelt es sich um 2590 Patente zu Elektromotoren, 2020 Patente zu Steuergeräten, 7550 Patente zu Systemsteuerungen, 1320 Motor-Transaxle-Patente, 2200 Patente zu Ladegeräten sowie 2380 Brennstoffzellen-Patente. Sie werden in Hybrid-, Plug-in-Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeugen verwendet. Ausgenommen sind die Patente zur Lithium-Ionen-Batterietechnik.

Seit Einführung des Prius im Jahr 1997 hat Toyota weltweit mehr als 13 Millionen Hybridfahrzeuge verkauft. 2017 verkaufte Toyota 1,5 Millionen Hybride, mehr als 10 Prozent seines Absatzes. Jetzt will Toyota seine Hybrid-Technik auf den Markt pushen: Andere Hersteller will der japanische Hersteller nun laut Mitteilung kostenpflichtig bei der Entwicklung und dem Verkauf elektrifizierter Fahrzeuge unterstützen, wenn sie Motoren, Batterien, Steuergeräte und andere Komponenten von Toyota für ihre eigenen Antriebe nutzen. Die gebührenpflichtige technische Unterstützung umfasst im Rahmen von Verträgen die Bereitstellung von Überblicken zu Elektrifizierungssystemen, Bedienungsanleitungen sowie detaillierte Erläuterungen zur Abstimmung von Fahrzeugen, die diese Systeme nutzen.

Die Freigabe-Entscheidung ist für den Autobauer nicht völlig neu: Bereits seit Januar 2015 stellt Toyota 5680 Patente zur Antriebstechnik von Brennstoffzellenfahrzeugen bereit, bisher allerdings mit mäßigem Erfolg. Die Zahl der frei verfügbaren Brennstoffzellen-Patente von Toyota steigt damit auf 8060. Vor wenigen Wochen machte Konzernsprecher Hisashi Naki gegenüber der Welt am Sonntag klar, dass das Unternehmen weiter auf die Brennstoffzellen-Technik setzen wolle.

Toyota will sich so im Kampf um die Antriebstechnik der Zukunft besser positionieren, zumal viele Hersteller auf vollständig Batterie-getriebene Fahrzeuge setzen. Bis vor kurzem gehörten die Patente für die Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotoren noch zu den wohlgehüteten Betriebsgeheimnissen des Unternehmens.

Die strategische Wende leitet Toyota-Vorstandsmitglied Shigeki Terashi mit den Worten ein: "Die Zeit der Zusammenarbeit ist gekommen." Toyota erhalte "sehr viele Anfragen" von Unternehmen zu seinen Elektrifizierungssystemen. Wenn die Zahl der elektrifizierten Fahrzeuge in den nächsten zehn Jahren deutlich steige, könnten sie zum Standard werden, hofft das Unternehmen. Einerseits dominiert Toyota zu 80 Prozent den weltweiten Hybrid-Fahrzeugmarkt, andererseits führte die bislang strikte Patentpolitik dazu, dass sich die Technik nicht weiterverbreitete.

Suzuki und Toyota kündigten bereits im vergangenen Monat eine Allianz an. Mazda plant bereits Hybride mit Toyota-Technik. Mit dem chinesischen Volvo-Eigner Geely laufen bereits die Verhandlungen. Der chinesische Markt ist besonders interessant für die Japaner, da die Elektrifizierung von Fahrzeugen dort von der Regierung stark vorangetrieben wird. Mit ihrer Freigabestrategie könnten sie dort nun dauerhaft Fuß fassen.

Gleichwohl setzen jetzt auch viele europäische Hersteller auf Plug-in-Hybride oder rein Batterie-getriebene Fahrzeuge. Die Patentfreigabe könnte also auch der Wertsicherung von Toyotas Hybridtechnik dienen. (anw)