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Toyota will "Schutzengel" fürs teilautonome Fahren entwickeln

Forschern des japanischen Autokonzerns schwebt eine Art unsichtbarer Kopilot vor, der in brenzligen Fahrsituationen die Kontrolle übernehmen soll. Der "virtuelle Fahrer" könnte etwa eingreifen, wenn laut Computer ein Unfall droht.

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Gill Pratt, Chef des erst wenige Monate alten Forschungszentrums "Toyota Research Institute" (TRI), hat am Donnerstag auf der GPU Technology Conference im kalifornischen San Jose das Konzept eines "Schutzengels" für hochautomatisiertes, noch nicht ganz autonomes Fahren vorgestellt. Dem früheren Manager des Darpa-Programms für Roboter schwebt dabei als Vorbild das Antiblockiersystem (ABS) vor. Ähnlich wie dieses solle der geplante "virtuelle Fahrer" helfen, einen Unfall zu vermeiden, indem er dem Menschen am Steuer kurzzeitig in Gefahrensituationen "die Kontrolle entzieht".

"Bisher weist das Lenkrad immer in die Richtung, in die sich die Räder bewegen", konstatierte Pratt in seiner Rede. Dies könne sich mit einem unsichtbaren Kopiloten aber ändern. Es komme nun zunächst darauf an zu testen, wie Menschen darauf reagieren, wenn der Computer plötzlich das Steuer und andere wichtige Fahrfunktionen übernehme. Laut Technology Review will Toyota den digitalen Schutzengel, die dafür benötigte Künstliche Intelligenz und das Verhalten von Fahrern in Japan in einem großen Fahrsimulator erproben. Dort sollen realistische Straßensituationen und Unfallszenarien in einer Halle nachgestellt werde.

Die eigentliche Technik für den rechnergesteuerten Fahrer wollen die Japaner am TRI-Labor in Palo Alto im Silicon Valley entwickeln. Im Ableger in Cambridge sollen die Schwerpunkte auf Simulationstechniken und "Deep Learning" liegen. Pratt hat zugleich angekündigt, dass ein drittes TRI-Zentrum in Ann Arbor unweit der Universität von Michigan eingerichtet werden soll. Dort sollen von Juni an bis zu 50 Wissenschaftler den Fokus auf voll-autonomes Fahren legen, bei dem der Computer ganz den Chauffeur spielt. Insgesamt investiert Toyota eine Milliarde US-Dollar in den noch jungen Forschungsarm.

Pratt erläuterte, dass TRI in Ann Arbor das dortige Testgelände für selbstfahrende Fahrzeuge MCity nutzen wolle, um bei Probefahrten mit Roboterautos unter realen Umständen aufzuholen. Bisher hat auf diesem Gebiet neben anderen Autofabrikanten vor allem Google die Nase vorn. Entsprechende Tests gelten als wichtig, um die Algorithmen für autonomes Fahren zu trainieren. Der TRI-Chef plädierte zudem dafür, dass Firmen die bei solchen Probeläufen angehäuften Datenmengen austauschen sollten. Eine Zusammenarbeit sei im Interesse der Sicherheit und des öffentlichen Wohles wünschenswert. (mho)