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Tracking von Schulkindern: Ludwigsburg will weiterhin Schutzranzen testen

In Niedersachsen wird nicht weiter erwogen, Kinder im Straßenverkehr zu tracken. In Ludwigsburg wird offenbar weiter an dem Vorhaben festgehalten.

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Tracking von Schulkindern: Ludwigsburg will weiterhin Schutzranzen testen

(Bild: schutzranzen.com)

GPS-Sender in "Schutzranzen" genannten Schultaschen sollen Bewegungen und den Aufenthaltsort von Schulkindern aufzeichnen und über eine Smartphone-App des Startups Coodriver an Autofahrer übermitteln. Kritik an diesem Projekt sorgte dafür, dass es in Niedersachsen aufgegeben wurde. Ludwigsburg hingegen will weiter daran festhalten und den Schutzranzen testen, berichtet die Ludwigsburger Kreiszeitung

"Der Datenschutz steht an erster Stelle. Es werden mit dieser App keine Daten gespeichert, weitergegeben, verkauft oder was auch immer", hat Heinz Handtrack vom Referat nachhaltige Stadtentwicklung demnach versichert. In "einer sehr unschönen Medienkampagne" seien "viele Dinge verdreht dargestellt" worden.

Handtrack bezieht sich offenbar auf die vom Verein Digitalcourage ausgelöste Kritik am Schutzranzen. Die Aktivisten monieren, die Positionsdaten der Kinder würden über eine "schlecht geschützte" Cloud an Eltern, Navigationssysteme und Smartphone-Apps für Autofahrer übermittelt. Außerdem sei es "schamlos, Grundschulkinder zu überwachen und es als Sicherheitmaßnahme zu verkaufen", hieß es im Januar von Digitalcourage.

Digitalcourage lässt nicht locker

Der Verein reagierte nun darauf mit einem offenen Brief, den alle Gleichgesinnten unterschreiben können. Darin heißt es unter anderem: "Kinder-Tracking darf keine Voraussetzung für Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr werden! Digitalcourage fordert die Verantwortlichen der Stadt Ludwigsburg auf, das Projekt 'Schutzranzen' einzustellen."

Demnächst komme eine neue Version der Schutzranzen-App heraus, in der die Tracking-Funktion, mit der die Position der Kinder verfolgt werden kann, nicht mehr enthalten ist, soll Handtrack laut dem Zeitungsbericht indes angekündigt haben. Für Kinder, die kein Smartphone haben, biete Coodriver einen kleinen Apparat, mit dem Kinder über das Telefonnetz einen Notruf auslösen und ihren Eltern sagen können, was los ist.

Vertreter der Stadt hätten sich bereits mit Schulleitern, Elternvertretern und Vertretern der Schulbehörde getroffen und über den Test diskutiert, schreibt die Ludwigsburger Kreiszeitung weiter. Der niedersächsische Datenschutzbeauftragte und sein Amtskollege in Stuttgart prüften derzeit die App. Falls sie keine Einwände hätten, soll ein weiteres Treffen mit Eltern und Schulleitern folgen. Zum Ende des Jahres könnte die App an einer Grundschule getestet werden. (anw)

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