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Training für Zivilcourage im Internet: Mit dem Love-Storm gegen den Shit-Storm

Gegen Hasskommentare in Sozialen Medien Stellung zu beziehen, erfordert Zivilcourage. Das Projekt Love-Storm will Nutzer dafür fit machen.

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(Bild: Sam Wordley/Shutterstock.com)

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Beleidigungen, Beschimpfungen, Lügen, Mobbing und Drohungen – an vielen Orten im Netz tobt der Hass. Das wohl wichtigste Ziel antidemokratischer Kräfte sei es, sich als Mehrheit darzustellen, sagte Margaretha Eich vom Projekt Love-Storm gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Lüchow. Es geschehe zu selten, dass die Nutzer im Netz aufstünden und klarmachten, dass die Hasskommentare keineswegs die Meinung der Mehrheit widerspiegelten.

Dagegen will Love-Storm etwas tun. Der Verein trainiert Menschen, auf Hasskommentare zu reagieren. Am Donnerstag wird Eich für ihre Arbeit neben anderen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Neujahrsempfang im Schloss Bellevue geehrt.

Love-Storm ist eine Trainings- und Aktionsplattform für Zivilcourage im Internet – seit September 2018 werden Inhalte für alle zur Verfügung gestellt, die etwas gegen Hass im Netz tun wollen. Das Projekt wurde bislang vom Programm "Demokratie leben" finanziert, außerdem von der Aktion Mensch sowie aus Spendengeldern. Es gibt Online- und Offline-Trainingseinheiten, in denen vermittelt wird, in Teams auf Hasskommentare zu reagieren. Dazu schlüpfen die Teilnehmer in verschiedene Rollen – vom Angreifer bis zum Zuschauer, wie Eich erklärte.

Bislang seien etwa 500 bis 600 Menschen trainiert worden. Nötig seien allerdings viele Tausend Menschen, die sich aktiv beteiligten, betonte sie. Man könne davon ausgehen, dass etwa 60 bis 70 Prozent aller Nutzer mit Hass-Attacken in Kontakt gekommen seien. Nur die wenigsten Fälle dürften bei der Polizei landen – wie beispielsweise der Fall aus Rinteln im Landkreis Schaumburg, in dem die Polizei nun wegen Beleidigung ermittelt: Ein 52-Jähriger aus Rinteln soll seine Nachbarin per Messenger-Dienst mit den Worten "Dein fetter Arsch benimmt sich wie ein König!" beschimpft haben.

Beim Training gebe es unterschiedliche Schwerpunkte – etwa antisemitische oder frauenfeindliche Kommentare, erklärte Eich. Ziel sei, den Menschen die Scheu zu nehmen, auf derartige Kommentare zu reagieren. Problematisch sei es, wenn eine Stimmung entstehe, die Menschen dazu beeinflusse, den Worten Taten folgen zu lassen, meinte sie mit Blick auf den Mordfall Lübcke: Im vergangenen Juni wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) mit einem Kopfschuss auf der Terrasse seines Hauses getötet. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus.

Gerade Rechtsextreme vertreten ihre Position im Netz oft "sehr laut", wie Eich erklärte. Wer damit in Kontakt komme, wisse oft nicht, wie er sich verhalten solle. Der Dynamik im Netz sollten die Trainingsprogramme auf die Spur kommen, wichtig sei, eine klare Position zu beziehen – aber gewaltfrei. Idealerweise solle man konstruktiv diskutieren und beim ursprünglichen Thema bleiben.

Mehr Infos zum Thema "Maßnahmen gegen Hasskommentare im Netz":

(olb)