Menü

Transparente Gesundheitsdaten für alle

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 67 Beiträge
Von

Mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte verbunden ist die Hoffnung auf ein transparenteres Gesundheitswesen, in dem der mündige Bürger seine elektronische Patientenakte einsehen und sich über Behandlungsmethoden informieren kann. Computer und Internet spielen dabei eine wichtige Rolle, machen sie doch erst durch den Vergleich von wissenschaftlichen Studien und Behandlungsmethoden aus der einzelfallbasierten Medizin eine wissensbasierte Angelegenheit mit entschlackten Prozessen. Eine frühe Ausprägung dieser Entwicklung ist die evidenzbasierte Medizin mit ihren Cochrane-Datenbanken für leitlinienbasierte Behandlungsmethoden und dem durchaus doppelsinnig formulierten Ansatz: "Any doctor who can be replaced by a computer, should be."

Dabei richtet sich die evidenzbasierte Medizin mit ihren extrem teuren Datenbanken an die Mediziner und ist kaum für Laien vermittelbar. Aus ihnen abgeleitete Patientenleitlinen gibt es, doch stehen sie in der fachärztlichen Kritik, weil nicht einsehbar ist, auf welchen Studien sie fußen. Unter diesem Gesichtspunkt wurde vom Gesundheitsministerium ein Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen gegründet, das sich gestern in einem vom Ministerium angefertigten Interview der Öffentlichkeit vorstellte. Es soll wie die renommierte Stiftung Warentest als eine Art Stiftung Ärztetest formieren und die Bevölkerung darüber informieren, "was therapeutisch und diagnostisch sinnvoll und möglich ist." Auch soll sich das Institut um die Qualität medizinischer Informationen im Netz bemühen, wie dies ein Anliegen von Discern und der europaweiten Health on Net ist.

Eine ähnliche Initiative, jedoch beschränkt auf die Zahnmedizin, ist proDente. Sie stellte vorgestern ihr neu gestaltetes Informationsangebot vor, über das sich Patienten über Methoden, Material und Kosten einer Zahnbehandlung informieren können. Auch beschreibt proDente die Möglichkeit, wie Patienten eine so genannte "zweite Meinung" zu einer vorgeschlagenen Behandlungsplanung einholen können, um somit die zahnärztlichen Methoden transparenter zu machen.

Ergänzend zu der zahnärztlichen Initiative sollten neue Angebote erwähnt werden, die aus den USA kommen und in der von der Gesundheitskarte umgestalteten deutschen Arztlandschaft Fuß fassen wollen. So gibt es etwa die mit Patenten abgesicherte Oral Health Information Suite der Firma Previser, die Zahnärzte wie Patienten in die Lage versetzen soll, gegen Geld Verdienstprognosen (Arzt) beziehungsweise Gesundheitsprognosen (Patient) abzufragen. Voraussetzung ist natürlich, dass der Zahnarzt oder sein Patient die Daten an Previser überspielt. Previser wiederum kann die Daten verdichten und seine Prognosemodelle wie seine Software ständig weiter entwickeln. Auf diese Weise mit weltweiten Daten versorgt, entstehen Behandlungsinformationen und Prognosen von hoher Güte, doch sind sie gleichzeitig zum vermarktbaren Eigentum einer einzigen Firma geworden.

Zur elektronischen Gesundheitskarte und der Reform des Gesundheitswesens siehe auch:

(Detlef Borchers) / (jk)