Traumjob Zocker für die Fußball-Bundesliga

Der DFB, die Vereine und das große Geschäft mit E-Sport

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Obwohl einige Clubs Fakten geschaffen haben, streiten sich andere Mächtige der Branche noch, ob Bundesligisten überhaupt Zocker anstellen sollen. Der Deutsche Fußball-Bund DFB lehnte E-Sport lange ab. Im vergangenen März sagte Präsident Reinhard Grindel im Deutschen Fußballmuseum: "Fußball gehört auf den grünen Rasen. Als größter Sportfachverband der Welt müssen wir darauf achten, dass E-Sports nicht den normalen Sport ersetzt."

Einen Monat später teilte der DFB mit, dass er nur Gewaltspiele ganz zurückweise. "Wenn dagegen fußballbezogene Spiele als Ergänzung zum Sport im Verein wirken und über diesen Weg vielleicht sogar der eine oder andere in den Verein kommt, findet das unsere Unterstützung", ließ sich Grindel in einer Pressemitteilung zitieren. In Spanien und den Niederlanden haben Fußballdachverbände bereits eigene E-Sport-Ligen gegründet.

Hierzulande konzentrieren sich Vereine wie Wolfsburg und Leipzig im Sinne des DFB auf virtuelle Fußballer. Schalke hingegen beschäftigt neben Fifa-Spielern und Gamern einer anderen Fußball-Simulation auch ein Team des Fantasiespiels League of Legends. Dort ist mehr Geld im Spiel als bei Fifa.

Bei League of Legends gab es schon Preisgelder im Millionenwert, bei Fifa liegt man im Bereich mehrerer Hunderttausend Dollar. Schalkes E-Sport-Chef Tim Reichert sagt: "Uns ist egal, ob unsere Fans Fußball oder nur E-Sport mögen – wir schätzen sie alle gleich." Das Geld für Fanartikel nimmt der Club aus Gelsenkirchen von beiden Gruppen gerne.

Schalke hat für die fünf eigenen League-of-Legends-Spieler extra ein Haus in Berlin, in dem sie mit zwei Trainern und einem Koch leben. Um ihre Konzentration zu verbessern, soll das Essen gesund sein. Sechs Stunden pro Tag üben die Spieler und analysieren anschließend ihre Leistung. Um ihre Konzentration zu steigern und weil sie lange sitzen, müssen sie jede Woche fünf Stunden ins Fitnesscenter. Viele E-Sportler leiden an Rückenschmerzen.

Abgesehen von guter Ernährung und Fitness wissen Sportwissenschaftler aber noch nicht genau, wie man mit E-Sportlern am besten für Hochleistungen trainiert, sagt Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln. Er testet zurzeit mit Gamern des 1. FC Köln Finger- und Konzentrationsübungen sowie Nackentraining. Er bilanziert: "Die Jungs zocken besser, wenn sie nach zwei, drei Stunden Pause machen, aber vielen ist das noch nicht bewusst."

Die Fifa-Profis der Bundesligisten üben oft ohne Trainer. Von zu Hause spielen sie online gegeneinander. Timo schläft meist bis 10 Uhr aus, spielt zwei, drei Stunden Fifa am Morgen und macht am Nachmittag Videos für die Sozialen Netzwerke. Lust dazu hat er fast immer: "Aber nach einer doofen Niederlage muss ich mich schon zwingen", sagt er.

Im Sommer kommt regelmäßig eine neue Fifa-Version heraus. Und er trainiert anfangs sogar fünf, sechs Stunden pro Tag, um seine Spielzüge anzupassen. Am Abend zockt er ab und zu ein Online-Turnier. Oder er entspannt mit Freunden, geht in einen Club oder eine Shisha-Bar. Am Wochenende muss er zudem 40 Online-Spiele absolvieren, um sich für Turniere zu qualifizieren. Manchmal tut er auch etwas für seine Muskeln im Fitnesscenter.

FIFA 18 (6 Bilder)

FIFA 18 inszeniert sich in vielen Momenten wie eine Fernseh-Übertragung.

Für diesen Herbst besitzt Timo einen Plan: Er möchte Fifa nur noch Teilzeit spielen – und daneben studieren, wahrscheinlich Sport-Management. "Ich will später ja nicht auf der Straße stehen." Professionell zocken möchte er weiter, bis er 30 ist. Und dann ins E-Sport-Management wechseln – oder sonst was tun.

Bei der Virtuellen Bundesliga in Dortmund tritt Timo in seinem entscheidenden Spiel gegen Cihan Yasarlar vom RB Leipzig an. 2:0 steht es nach der ersten Halbzeit. Timo lächelt, streckt die Faust in Gewinnerpose hoch. Dann spielt Cihan aggressiver, holt auf. Und gewinnt. Timo sinkt schlaff in seinem Stuhl zusammen. "Cihan Yasarlar steht im Viertelfinale der Tagheuer Virtuellen Bundesliga. Und Timo Siep ist ausgeschieden", sagt ein Kommentator. Eine Stunde später sendet Timo eine Instagram-Story an die Fans: Trauriges Gesicht, Kapuze des VfL-Pullis über dem Kopf. "#DankeFürSupport (Herz-Emoji)." Sein Manager sagt: "Heute darf er traurig sein. Aber morgen muss er das Spiel analysieren und daraus lernen."

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(olb)