Menü

Trotz Booms im Onlinehandel: Paketzusteller verdienen weniger

Obwohl immer mehr Pakete geliefert werden, verdienen die Zusteller laut Zahlen der Bundesregierung weniger als noch 2007.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 164 Beiträge

Hunderte aufgebrachte Kunden haben im Internet ihrem Ärger über die Paketlieferungen der Deutschen Post Luft gemacht.

(Bild: dpa, Oliver Berg/Archiv)

Trotz des stark wachsenden Onlinehandels und des anschwellenden Paketaufkommens haben die Zusteller weniger im Portemonnaie: So sei das mittlere Bruttogehalt in der Branche von 2007 bis 2017 von 2859 auf 2478 Euro gesunken, wie die Bundesregierung laut Bericht der Rheinischen Post auf eine Anfrage der Linken mitteilte. Damit sind die Löhne um rund 13 Prozent gesunken, zugleich seien aber die Vergleichsentgelte in der Gesamtwirtschaft um 23,7 Prozent gestiegen.

Die Gesamtzahl der Beschäftigten sei in dem Zeitraum von 102.000 auf 155.000 angewachsen, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter. Ebenfalls angewachsen sei auch die Differenz zwischen Zustellern mit Tarifvertrag und denen ohne. In tarifgebundenen Betrieb verdiene ein Vollzeitbeschäftigter rund 662 Euro mehr als Kollegen ohne Tarifbindung – eine doppelt so große Lohndifferenz wie noch vor zehn Jahren.

Die Realität in der Branche sehe aber noch viel düsterer aus, sagte der Linken-Politiker Pascal Meiser. In der Statistik seien nämlich die ausländischen Subunternehmer nicht mit erfasst. „Die Bundesregierung muss dringend gegen die Schmutzkonkurrenz vorgehen, die die Löhne in dieser Branche immer mehr unter Druck setzt“, sagte Meiser. Zuvor hatte auch schon Verdi-Chef Frank Bsirske von teils "mafiösen Strukturen" gesprochen. Paketdienste würden Firmen engagieren, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland zu Dumpinglöhnen ausbeuteten.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat bereits angekündigt, gegen Missstände in der hart umkämpften Paketbranche vorzugehen: Künftig sollen die Paketdienstleister direkt in Haftung genommen werden können, wenn die von ihnen beauftragten Subunternehmer gegen Gesetze verstoßen, indem sie etwa Sozialabgaben nicht abführten oder Lohndumping betrieben. Widerstand kommt aber vom Koalitionspartner CDU: Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat sich dagegen ausgesprochen, der Paketbranche mehr Regulierungen aufzuerlegen. (axk)