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Trotz Protesten: Bundesnetzagentur hält an neuer Form der Breitbandmessung fest

Die Kritik am Plan der Bundesnetzagentur, ein eigenes Programm für eine "gerichtsfeste" Breitbandmessung zu entwickeln, verstummt nicht. Die Regulierungsbehörde sieht aber keinen Spielraum mehr für große Änderungen.

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Trotz Protesten: Bundesnetzagentur hält an neuer Form der Breitbandmessung fest

(Bild: dpa, Frank Rumpenhorst)

Bürgerrechtler und Netzbetreiber laufen Sturm gegen das Vorhaben der Bundesnetzagentur, bis zum Jahresende ein fest installierbares Werkzeug zur verlässlicheren Messung der Qualität breitbandiger Internetanschlüsse serienfertig zu machen. Laut der Regulierungsbehörde spricht aber nichts mehr dafür, das vorgesehene neue Messverfahren noch einmal komplett auf den Prüfstand zu stellen und anders auszurichten. Es handle sich um einen Kompromiss, der die Interessen aller Beteiligten anhand der feststehenden Gegebenheiten unter einen Hut bringe.

"Sowohl die browserbasierte Breitbandmessung als auch die geplante installierbare Version bieten aus Sicht der Bundesnetzagentur für den Verbraucher die Möglichkeit, verlässlich die Leistungsfähigkeit seines Festnetz-Internetanschlusses zu überprüfen", betonte ein Sprecher der Behörde gegenüber heise online. Dabei sollen verschiedene Parameter der Endnutzerumgebung erfasst werden, "um Einflüsse auf die Messung auszuschließen". So sei etwa "eine Erkennung der genutzten Verbindungsart – LAN/WLAN – vorgesehen". Auch die maximale Geschwindigkeit der Netzwerkkarte könne erfasst werden.

Datenschützer sind nicht darüber erfreut, dass so viele, teils sensible Parameter einfließen sollen. Breitbandanbieter drängen dagegen auf verlässliche Ergebnisse mit einer möglichst breiten Datennutzung. Die Bundesnetzagentur tauscht sich nach eigenen Angaben mit der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Andrea Voßhoff aus. Vor der finalen Veröffentlichung der Applikation sollen die Branche sowie Verbraucherschützer "die installierbare Version testen" können. Erste solche Probeläufe sollen im Oktober starten.

Generell steht die Netzagentur zwischen allen Stühlen. Die Anbieter hätten die Messungen am liebsten im eigenen Netz, aber damit wären die Ergebnisse nicht mehr vergleichbar. Letztlich wären zudem eigene Servicetechniker beim Endkunden nötig, um alle Störfaktoren wie parallel laufende Anwendungen auszuschließen. Eine andere Option wäre es, die Messsoftware direkt im Router zu implementieren. Dabei spielen die Hersteller aber nicht mit.

Mit dem Auftrag, die fest installierbare Anwendung zu entwickeln, hat die Behörde die Ismaninger Firma Zafaco beauftragt. Diese arbeitet für die Messungen mit dem Internetprovider Core Backbone zusammen, was in der Branche für Stirnrunzeln sorgt. Betreiber von Netzwerken und Knoten zum Datenaustausch beklagen, dass so nur willkürliche Stichproben gezogen würden. Zudem biete die Firma kleineren Anbietern erst auf Nachfrage kommerzielle Zusammenschaltungen an. Diesen Weg zu gehen sei nur für den Geschwindigkeitstest zu kostspielig.

Die Bundesnetzagentur hält die Wahl von Core Backbone dagegen für sinnvoll: "Die Messserver der Breitbandmessung für Festnetzmessungen stehen in Frankfurt am Main in unmittelbarer Nähe zum weltweit größten Internet-Austauschknoten DE-CIX und sind direkt mit diesem verbunden", betonte der Sprecher. Die Verbindungen seien aus Sicht der Behörde "ausreichend dimensioniert und können bei Bedarf erweitert werden". Generell werde bei den Tests eine "Ende-zu-Ende-Messung zwischen dem Computer des Nutzers und einer definierten Messgegenstelle im offenen Internet durchgeführt".

Die Kritik aus der Branche ebbt derweil nicht ab. Die Kabel- und Glasfaservertreter Anga und Buglas monieren in einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Verband der Internetwirtschaft eco, dass bei den als "Open Source" ausgehändigten Komponenten für das vorgesehene Programm von Zafaco nicht alles mit rechten Dingen zugehe und sie damit wenig anfangen könnten: Der Dienstleister habe den Code um proprietäre Bestandteile bereinigt, ist dem Schreiben zu entnehmen.

Der Quelltext sei daher "unvollständig und in seiner vorgesehenen Funktion nicht kommentierbar", beklagten die Unterzeichner. Die seit Langem geforderte "Transparenz in den Funktionalitäten des Messtools" könne "nur durch eine vollständige Offenlegung erreicht werden". Es reiche nicht aus, dass auf Basis des Codes "eine lauffähige Applikation erstellt werden kann".

(anw)

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