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Trübe Stimmung vor erstem Jenoptik-Aktionärstreffen mit neuem Chef

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Für Alexander von Witzleben wird es eine heikle Premiere. Bei seinem ersten Auftritt als Jenoptik-Vorstandschef vor den Aktionären muss der 40-Jährige unangenehme Botschaften verkünden: Erstmals seit zehn Jahren ist der größte börsennotierte Ost-Konzern in die roten Zahlen gerutscht. Die Anteilseigner, seit dem Börsengang der Jenoptik AG 1998 an Dividendenzahlungen gewöhnt, gehen angesichts von Verlusten in Höhe von 25,8 Millionen Euro leer aus. "Es ist einfach unerfreulich", findet Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Als missmutig beschreibt der Aktionärsvertreter die Stimmung vor der Hauptversammlung des Technologiekonzerns an diesem Mittwoch in Weimar.

Nach dem Wechsel an der Unternehmensspitze von Lothar Späth zu von Witzleben vor einem Jahr ist Labryga "noch nicht so richtig klar, wo es hin geht". Der neue Konzernlenker, der als Finanzvorstand jahrelang als Späths rechte Hand in Jena galt, hatte bei der Amtsübernahme Kurskorrekturen beim Jenoptik-Konzern mit rund 10.000 Beschäftigten angekündigt. Nach Jahren mit hohen Investitionen im konjunkturanfälligen, wenig gewinnträchtigen und kapitalintensiven Halbleitergeschäft soll der profitablere Geschäftsbereich Optoelektronik ausgebaut werden. In der Anlagenbau- und Halbleitersparte, die im vergangenen Jahr unter dem Dach von M+W Zander (Stuttgart) mit 1,7 Milliarden Euro den größten Teil zum Konzernumsatz von knapp 2,0 Milliarden Euro beisteuerte, war von Partnersuche die Rede.

Doch daraus ist nichts geworden. Nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates unter Leitung von Späth im Januar wurde überraschend mitgeteilt, der Verkauf des größten Geschäftsbereiches sei vom Tisch. "Die Bemühungen um einen Partner werden nicht weiter verfolgt", sagte von Witzleben. Gespräche wurden nach dpa- Informationen mit drei Unternehmen geführt -- zwei deutschen, darunter einem Baukonzern, und einer US-Firma.

Statt der Trennung von der Industriesparte kündigte von Witzleben Umstrukturierungen in einem Teilbereich an. Um den Konzern insgesamt profitabler zu machen, soll es im traditionellen Geschäft mit Gebäudeausrüstungen wie Heizung, Klima und Sanitär Verkäufe und Auslagerungen mit einem Umsatzvolumen von etwa 150 Millionen Euro geben. 150 Arbeitsplätze stehen zur Disposition. Labryga sieht die Entscheidung skeptisch. "Ich würde eine Trennung von der Halbleitersparte gern sehen."

Das verkorkste Jahr 2003 will der Aktionärsschützer jedoch nicht dem neuen Vorstandschef anlasten. "Ich bin nicht überzeugt, dass es unter Späth besser gelaufen wäre." Wichtiger als der Kauf oder Verkauf von Geschäftsbereichen sei ihm "endlich mal ein richtig gutes Jahr" bei Jenoptik. Von Witzleben sieht nach dem "Schlag ins Kontor" 2004 zumindest einen Aufwärtstrend. "Wir machen unsere Hausaufgaben und schauen zuversichtlich nach vorn", verbreitet er auch unter Hinweis auf das Ende der dreijährigen Halbleiterkrise Zuversicht. Der Konzernumsatz soll sich 2004 in Richtung 2,2 Milliarden Euro bewegen. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) werden 45 bis 60 Millionen Euro angepeilt. Rein rechnerisch könnte sich daraus ein Jahresüberschuss von 30 Millionen Euro ergeben. Für die Aktionäre immerhin die Aussicht auf eine Dividende. (Simone Rothe, dpa) / (jk)