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Trüberbrook im Test: Mystery-Abenteuer von den Machern des Neo Magazin Royale

Das Point&Click-Adventure Trüberbrook ist ein visueller Meilenstein. Spielerisch gibt es beim Debüt der Neo-Magazine-Royale-Macher aber Aufholbedarf.

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(Bild: btf )

Das Point&Click-Adventure Trüberbrook ist das erste Spiel der bildundtonfabrik, die durch Fernsehsendungen wie Neo Magazin Royale bekannt wurde. Ihr Ausflug in die Spielewelt schlug bei Kickstarter voll ein und wurde zum erfolgreichsten deutschen Crowdfunding-Spiel 2017. Ein Grund dürften die handgemachten Kulissen sein, die in monatelanger Kleinarbeit zusammengeknetet wurden. Aber hat sich der ganze Aufwand auch gelohnt?

Die Handlung spielt in den 60er Jahren. Der Quantenphysiker Hans Tannhauser gewinnt eine Reise ins beschauliche Trüberbrook, irgendwo am Ende der Welt in Westdeutschland. Kaum hat er in die örtliche Pension eingecheckt, stiehlt ihm ein geheimnisvoller Mann seine Unterlagen. In Trüberbrook jagt außerdem eine Anthropologin protogermanischen Kulte, während eine Geheimorganisation im Hintergrund die Strippen zieht. Der gutmütige Hans muss derweil nicht weniger als die Welt retten.

Die Neo-Magazin Royale-Macher wandeln für ihr Abenteuer auf den Spuren von Twin Peaks, Akte X, Doctor Who und dem deutschen Heimatfilm. Hans stolpert durch die Geschichte und trifft dabei skurrile Gestalten wie einen Fürsten im Rollstuhl, der um seine Katze trauert, oder einen Einsiedler, der in seinem Baumhaus Verschwörungstheorien aufstellt. Dafür haben die Entwickler bekannte Sprecher wie Nora Tschirner und Jan Böhmermann engagiert.

Die wunderschönen Kulissen sind einzigartig in der deutschen Spielelandschaft und ein echter Hingucker. Jede Szene wurde aufgebaut, wie bei einem Film ausgeleuchtet und mittels Photogrammetrie ins Spiel übertragen. Bei dieser Bildmessung werden die genauen räumlichen Koordinaten eines Objekts bestimmt und später digitalisiert. Jedes einzelne Hintergrundbild in Trüberbrook ist so entstanden. Nur die einzelnen Spielfiguren wurden komplett am Computer entworfen. Alles in dieser Miniaturwelt wirkt dadurch einen Tick greifbarer und räumlicher als bei anderen Adventure-Spielen.

Schade aber, dass Trüberbrook spielerisch nicht mit der Konkurrenz mithalten kann. In den ersten drei der fünf Kapitel plätschert die Handlung nur vor sich hin, klassische Rätsel gibt es kaum. Stattdessen klicken die Spieler die einzelnen Räume ab, sammeln ein paar Gegenstände und setzen sie an bestimmten Stellen ein. Ein Inventar gibt es nicht und groß experimentieren brauchen die Spieler auch nicht – die passenden Gegenstände werden immer automatisch kombiniert. Erst ab dem vierten Kapitel geben die Entwickler Gas und packen bis zu einem spannenden actionreichen Finale alles rein, was zuvor schmerzlich vermisst wurde. Dann sind die knapp 7 Stunden Spielzeit aber auch schon rum.

Trüberbrook angespielt (5 Bilder)

Trüberbrook steckt voller Anspielungen an Mythen, Literatur und Film.
(Bild: heise online)

Trüberbrook sieht fantastisch aus und setzt durch seinen ungewöhnlichen Produktionsaufwand Maßstäbe bei der Entwicklung von Adventure-Spielen. Das seltsame Dorf punktet mit Twin-Peaks-Charme und die skurrilen Einwohner wachsen den Spielern mit ihren Macken schnell ans Herz. Leider hält das eigentliche Spiel nicht mit dieser Detailverliebtheit Schritt: Rätseldichte und Spieldauer sind mau. Erst gegen Ende dreht Trüberbrook auf.

Deshalb reicht es für die Neo-Magazin Royale-Macher bei ihrem Ausflug in das Spielegenre nur zu einem Achtungserfolg, der besonders Point&Click-Neulinge ansprechen wird. Hoffentlich gibt es bald ein Wiedersehen mit Trüberbrook und seinen Bewohnern, das spielerisch ordentlich zulegt.

Trüberbrook erscheint am 12. März als Download für Windows, macOS und Linux. Konsolenversionen für PS4, Xbox One und Nintendo Switch folgen am 17. April. Das Spiel kostet ca. 30 Euro. USK ab 6. Für unseren Artikel haben wir haben die Windows-Version durchgespielt.

Siehe dazu auch:

  • Game Royale- Gratis-Adventure zum Neo Magazin Royale bei heise Download

(dahe)