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Tschechien stoppt elektronische Patientenakte IZIP

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In Tschechien hat die Allgemeine Krankenversicherung (VZP, vergleichbar mit AOK) das Projekt der elektronischen Patientenakte IZIP (übersetzt: Internet-Zugang zu den Krankeninformationen des Patienten) nach Berichten tschechischer Medien gestoppt. Die VZP als Mehrheitseigner am IZIP-System reagierte damit auf eine Entscheidung des Gesundheitsministeriums, die Weiterentwicklung von IZIP nicht mehr mitzufinanzieren. Der Staat hatte in die vor 10 Jahren begonnene Entwicklung der Patientenakte insgesamt 80 Millionen Euro gesteckt.

Das zusammen mit IBM entwickelte IZIP-System einer zentralen Datenbank für ganz Tschechien konnte sich nicht durchsetzen: Ärzte wie Patienten hatten Bedenken bezüglich der Datensicherheit, die übrigen Krankenkassen wollten die hohen Lizenzzahlungen auf das mit etlichen Patenten abgesicherte System nicht akzeptieren. Nur 2,5 Millionen von 10 Millionen Tschechen entschieden sich für das auf freiwilliger Basis laufende, für sie kostenlose IZIP-System.

Mit dem Stopp der zentralen Datenbank von IZIP müssen die Patienten die Daumen drücken, dass ihre dort eingepflegtenDaten dezentral bei örtlichen Geschäftsstellen der VZP und später bei den Leistungserbringern gespeichert und nicht gelöscht werden. Alternativ sollen sie die Daten auf eigenem PC oder auf einem iPhone selbst speichern und zum Arzt bringen können.

So endet das im Jahre 2003 gestartete Projekt, das als strahlender Sieger im Jahre 2005 den World Summit Award eHealth der Vereinten Nationen gewann, eher unrühmlich. Von Anfang an litt es unter dem Schönheitsfehler, dass IZIP ein Datenbank-System einer privaten Firma war und als Geschäftsmodell die europäische Expansion verfolgte, nicht die Verbesserung des tschechischen Gesundheitssystems. Als einzige (freilich größte) Krankenkasse beteiligte sich VZP an der Entwicklung und besaß zum Schluss etwa 60 Prozent der Firmenanteile.

Das private System der IZIP war der Kontrolle durch staatliche Datenschützer in Tschechien entzogen, die die Zugriffs-Sicherheit und das Speichersystem nicht prüfen konnten. Entsprechend fehlte das Vertrauen der Ärzte, die nach einem Bericht der Ärztezeitung Österreich ihre Patienten vor dem System warnten. Im Nachbarland Österreich wurde das tschechische IZIP besonders beachtet, galt es doch als Vorbild (PDF-Datei) für die dortige Einführung der elektronischen Gesundheitsakte ELGA. (mho)

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