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Tschechisches LKW-Mautsystem wird umgebaut

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Das fahrtstreckenbezogene LKW-Mautsystem in Tschechien wird langfristig umgebaut. Neben dem derzeit eingesetzten, aus Österreich stammenden Mikrowellensystem für Autobahnen wird ein satellitengestütztes Mautsystem errichtet, mit dem beliebige Straßen niedriger Ordnung als mautpflichtige Strecken erfasst werden können. Dies geht aus einer Meldung der österreichischen Firma Kapsch TrafficCom hervor. Der zusätzliche Auftrag zur Umrüstung des Mautsystems soll umgerechnet ein Volumen von 115 Millionen Euro haben.

Derzeit arbeitet das von einem Konsortium um Kapsch TrafficCom gelieferte "Premid"-Mautsystem in Tschechien mit derselben Mikrowellentechnik, die auch auf Österreichs Autobahnen eingesetzt wird. Dabei kommuniziert eine leicht ins Fahrzeug einbaubare Premid-Box (in Österreich: Go-Box) über einen Hochfrequenztransponder mit den "Mautportal" genannten Mautbrücken, die an jedem bemauteten (Autobahn-)Streckenabschnitt stehen müssen und durchfahrende LKWs registrieren. Eine Ausdehnung dieses für kleine Autobahnnetze geeigneten Verfahrens auf andere Straßen niedrigerer Ordnung ist aufwendig, weil bei jeder Kreuzung oder Einfahrt ein Mautportal installiert werden müsste.

Darauf verweist auch die Kapsch-Meldung, die Jiří Hodač, den stellvertretenden Minister des tschechischen Verkehrsministeriums (CZ MoT) zitiert: "Da sich die ursprüngliche Vorstellung des CZ MoT über die Bemautung der Straßen der 1. Ordnung mittels eines auf Mikrowellen-Technologie basierenden Mautsystems (...) als praktisch nicht realisierbar gezeigt hatte, mussten wir mit dem Kapsch-Konsortium eine Art und Weise suchen, wie im Rahmen des gleichen Vertrages und unter Berücksichtigung der ursprünglichen Verdingungsdokumentation der Ausschreibung, der Inhalt der vom Staat bestellten Lieferungen und Dienstleistungen zu ändern ist."

Technisch kommt nun ein satellitengestütztes Mautsystem zum Zuge, wie es bereits in Deutschland oder der Schweiz eingesetzt wird. Bei der Ausschreibung der tschechischen Maut hatte ein deutsches Konsortium von T-Systems und Siemens seine Offerte zurückgezogen und später einen "Letter of Intent" nachgereicht. Kapsch erhielt schließlich den Zuschlag zur Errichtung des LKW-Mautsystems.

Für die zukünftige satellitengestützte Mauterhebnung, mit der Straßen der 1., 2. und 3. Ordnung bemautet werden können, erhält Kapsch TrafficCom nun einen Zusatzvertrag und entwickelt die technischen Schnittstellen sowie eine telematische Lösung zur zeitabhängigen Regelung des LKW-Verkehrs auf der Autobahn D1. Unabhängig von diesem Zusatzvertrag wird der Vertrag zur Erbringung von "Maut-Dienstleistungen" von 5 auf 10 Jahre verlängert.

Zudem hat sich das tschechische Verkehrsministerium dazu entschlossen, ab 1. Januar 2009 die streckenabhängige LKW-Maut auf Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen auszudehnen. Bislang beginnt die tschechische Mautpflicht genau wie in Deutschland bei 12 Tonnen Gesamtgewicht. (Detlef Borchers) / (ciw)