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Tschernobyl: Riesige Schutzhülle schließt Atomruine ein

Tausende Tonnen Stahl gegen lebensbedrohliche Strahlung: Ein neuer Sarkophag soll 100 Jahre vor den Folgen der Atomkatastrophe in Tschernobyl schützen. Die Ukraine will an dem symbolischen Ort künftig auch auf erneuerbare Energien setzen.

Tschernobyl: Als Tourist in die Todeszone, Sarkophag, Tschernobyl

(Bild:  Kai Heimberg)

30 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl in der Ukraine haben Spezialisten in einem historischen Schritt die Atomruine mit einer gigantischen Schutzhülle verschlossen. "Yes, wir haben es geschafft", sagte Staatschef Petro Poroschenko bei einem Festakt am Dienstag nahe des havarierten Meilers. Der neue Sarkophag garantiere 100 Jahre Sicherheit vor radioaktiver Strahlung, sagte er.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks würdigte die Leistung der Ingenieure, doch seien die Probleme in Tschernobyl damit nicht gelöst. Auch in 100 Jahren sei die Ruine noch eine Belastung für künftige Generationen, warnte sie in Berlin. Deutschland hat sich nach Angaben des Ministeriums mit etwa 200 Millionen Euro am Bau der gigantischen Schutzhülle beteiligt.

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Am 26. April 1986 war ein Test in Tschernobyl außer Kontrolle geraten, Reaktor 4 explodierte. Eine radioaktive Wolke breitete sich von der damaligen Sowjetrepublik über Weißrussland und Teile Russlands auch bis nach Westeuropa aus. Bis heute gelten manche Landstriche als verstrahlt. Die neue, mehr als 36.000 Tonnen schwere Schutzhülle gilt als Meilenstein im Kampf gegen die tödliche Strahlung. Sie soll einen Betonsarkophag ergänzen, der von der Sowjetunion nach der Kernschmelze vor 30 Jahren errichtet worden war.

"Vergleichen Sie das Objekt hinter mir mit dem Eiffelturm oder der Freiheitsstatue", betonte Poroschenko. "Das ist die größte bewegliche Konstruktion, die jemals von der Menschheit gebaut wurde." Ein System aus Hydraulik und Spezialschienen hatte die Hülle in den vergangenen 14 Tagen über die Atomruine geschoben.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte der Ukraine weitere Unterstützung im Umgang mit den Folgen der Katastrophe zu. Brüssel hat demnach bereits rund 750 Millionen Euro für Tschernobyl-Projekte bereitgestellt. Tschernobyl erinnere daran, dass Atomsicherheit die volle internationale Aufmerksamkeit verlange, sagte Mogherini.

"Es ist, wie eine nukleare Wunde zu schließen, die uns alle betrifft", sagte Hans Blix, Ex-Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Geldgeber hatten für die Konstruktion mehr als zwei Milliarden Euro aufgebracht, vor allem die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD).

Von einem historischen Moment sprach auch der ukrainische Umweltminister Ostap Semerak. "Dank dieser Konstruktion wird der Katastrophenort sicher", sagte er. Für den Betrieb der Hightechschutzhülle rechnet die Ukraine mit jährlichen Kosten von 600 Millionen US-Dollar. Die Finanzierung ist noch nicht gedeckt.

"Ich hoffe, dass in naher Zukunft eine große Fläche des einst verlassenen Territoriums zu einem Zentrum für erneuerbare Energien wird." In der Energiepolitik wolle die Ukraine ein unabhängiger und ökologisch sicherer Staat werden. Die frühere Sowjetrepublik betreibt derzeit noch vier Atomkraftwerke.

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace lobte die neue Hülle. "Aber damit ist der Wettlauf gegen die Zeit nicht gewonnen", meinte Sprecher Tobias Münchmeyer. Der erste nach dem Super-GAU errichtete Sarkophag drohe einzustürzen, warnte er. Greenpeace fordert, die alte Hülle rasch zu demontieren, um Folgeschäden zu verhindern. (dpa) / (vbr)

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