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Twitter: Anleger wollen Chancen einer Genossenschaft prüfen lassen

Der seit einiger Zeit kursierende Vorschlag, Twitter zu einer Genossenschaft umzuformen, findet nun auch seinen Weg zur Aktionärsversammlung. Zunächst soll aber nur ein Bericht erstellt werden, der ein Twitterland in Nutzerhand skizziert.

Twitter

(Bild: dpa, Jörg Carstensen/Archiv)

Auf der nächsten Aktionärsversammlung des Kurznachrichtendienstes Twitter am 22. Mai sollen die Anteilsinhaber über einen ungewöhnlichen Vorschlag abstimmen: Es soll ein Bericht erstellt werden, wie die Umformung Twitters in eine Art Nutzerkooperative vollzogen werden kann. Der Vorschlag wurde von einer kleinen Gruppe Aktionäre eingebracht, ihre Idee der "Twitter-Genossenschaft" machte schon als Petition mit inzwischen rund 3500 Unterschriften und unter Hashtags wie #wearetwitter die Runde. Die Unternehmensführung hat sich bereits dagegen ausgesprochen.

Der Wert Twitters als globale, soziale Newsplattform könne unter die Räder kommen, befürchten die Macher des Vorschlags. "An der Wall Street denkt man, das Unternehmen sei nicht erfolgreich, weil es nicht genug Gewinne für seine Aktionäre abwirft. Deshalb steht Twitter gerade zum Verkauf und damit auch im großen Risiko, dass ein neuer Besitzer unsere geschätzte Plattform durch reine politische oder wirtschaftliche Absichten ruiniert“, heißt es in der Petition.

Bislang sorgt das Geschäftsmodell von Twitter für chronische Verluste. Der Kurznachrichtendienst versucht, sich vor allem über Werbung zu finanzieren, wie etwa von Unternehmen im Nachrichtenstrom der Nutzer platzierte Tweets. Zuletzt wuchs der Verlust im Schlussquartal 2016 auf 167 Millionen Dollar von 90 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Im gesamten vergangenen Jahr verlor Twitter damit knapp 457 Millionen Dollar nach bereits 521 Millionen Dollar 2015. Große Zuwächse bei der Nutzerzahl waren zuletzt nicht zu verbuchen, Versuche, einen Käufer für das Unternehmen zu finden, scheiterten.

Ein Twitter in Gemeinschaftshand, bei dem die Nutzer Anteile kaufen, könnte hingegen die Plattform dem Druck des Aktienmarkts entheben, der nur auf kurzfristigen Gewinn abziele. Als erfolgreiche Beispiele etwa die genossenschaftlich organisierte Nachrichtenagentur AP und die Bildagentur Stocksys United genannt. Vor der Vergemeinschaftung sollen aber erst Berater, die Erfahrung mit derlei Unternehmensumwandlungen haben, angeheuert werden und einen Bericht erstellen, wie ein Twitter in Nutzerhand aussehen könnte.

Auf Unternehmensseite zeigten sich weder Management noch Verwaltungsrat von der Idee begeistert. Die Überführung in Gemeinschaftshand sei weder für Twitter gut noch liege es im Interesse der Aktionäre. Die Anfertigung eines Berichts dazu sei Ressourcenverschwendung. Da die Aktien frei an der Börse gehandelt werden, können sowieso jeder Nutzer bereits jetzt Anteilsinhaber Twitters werden – ganz ohne aufwendige Umformung des Unternehmens. Der Verwaltungsrat empfiehlt dementsprechend einstimmig, den Vorschlag abzulehnen. (axk)

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