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Hass und Fake-News auf Twitter: "Es ist eine schreckliche Situation"

Twitter ist in keinem guten Zustand, befand dessen Mitgründer und Chef. Missbrauch, Beleidigungen und Fake-News machen der Plattform zu schaffen. Was aber tun?

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Twitter-Chef Dorsey: "Es ist eine schreckliche Situation"

Twitter-Chef Jack Dorsey auf der TED2019 in Vancouver, Kanada.

(Bild: Ryan Lash / TED)

Twitter hat Probleme – das hat dessen Mitgründer und CEO Jack Dorsey abermals zugegeben. Es sei einiges zu tun, um die Plattform zu verbessern und Missbrauch, Hass und Fake-News zu reduzieren. Eine Maßnahme wäre, den Likes und Follower-Zahlen ihre Wichtigkeit zu nehmen. In seiner derzeitigen Form würde Twitter seine Nutzer nämlich dazu verleiten, vor allem krasse Dinge zu posten. Denn dafür bekommen sie Aufmerksamkeit auf Twitter und oft auch in den Medien. Donald Trump etwa weiß das ganz genau.

Bei einer Diskussion auf der TED2019-Konferenz erklärte Jack Dorsey, dass Twitter lieber eine Interessen-basierte Community sein sollte. Anstatt einzelnen Individuen auf Twitter zu folgen, könnten die Nutzer künftig ermutigt werden, stattdessen Hashtags, Trends und Communitys zu abonnieren. Es bedürfe dafür allerdings "großer Veränderungen", erklärte Dorsey im Gespräch mit Chris Anderson and Whitney Pennington Rodgers. Zudem überlegen die Twitter-Betreiber, wie sie die Follower und Likes ausweisen wollen, um sie mehr in den Hintergrund zu rücken. Dass die Nutzer durch kommende Änderungen vielleicht weniger Zeit auf Twitter verbringen, stört Dorsey nicht: "Das ist völlig in Ordnung." Relevanz sei wichtiger.

Dorsey bezog in dem Gespräch außerdem Stellung zum Thema Missbrauch auf Twitter: "Wir haben Belästigung, Manipulation, Fehlinformationen gesehen, die eine Dynamik haben, die wir vor 13 Jahren bei der Gründung des Unternehmens nicht erwartet hatten." Laut Amnesty International würden nicht-weiße Frauen im Durchschnitt in einem von 10 von ihnen veröffentlichten Tweets belästigt werden. Es sei eine schreckliche Situation, sagte Jack Dorsey laut BBC. "Die Dynamik des Systems macht es superleicht, andere zu belästigen."

Als Schutzmaßnahme setzt Twitter etwa Maschinelles Lernen ein, um beleidigende Inhalt besser zu finden. Inzwischen würden 38 Prozent der beleidigenden Tweets maschinell entdeckt – vor einem Jahr seien es laut Dorsey noch 0 Prozent gewesen. Mitarbeiter entscheiden schließlich, ob die Tweets entfernt werden. Dorsey betonte, dass es ihm ein dringendes Anliegen sei, sich den Problemen von Twitter zu stellen und sie zeitnah zu lösen. "Im Moment verlässt man Twitter nicht mit dem Gefühl, etwas gelernt zu haben", befand er selbstkritisch. (dbe)