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Twitter: etwas mehr Nutzer, viel mehr Umsatz

Twitter hat im ersten Quartal zwar nur wenige zusätzliche Nutzer gewonnen, den Umsatz aber um mehr als ein Drittel steigern können. Der Verlust wurde halbiert. Den Investoren war das zuwenig.

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Flatternder Vogel (Zeichnung)

Knapp zwei Drittel des Umsatzes erzielt Twitter in nur einem Land, nämlich den Vereinigten Staaten von Amerika.

310 Millionen Nutzer zählte Twitter im März. Das sind drei Prozent mehr, als ein Jahr davor. Der Umsatz im erste Quartal ist indes deutlicher gestiegen, und zwar um 36 Prozent auf 595 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig konnte Twitter den Quartalsverlust von vormals 162 Millionen auf nun 80 Millionen Dollar netto halbieren. Investoren war das, in Verbindung mit einer verhaltenen Vorschau auf das laufende Quartal, zuwenig. Twitters Aktienkurs rasselte nach Bekanntgabe der Finanzdaten Dienstagabend im nachbörslichen Handel mehr als 13 Prozent nach unten.

Die Firma verbreitet inzwischen deutlich mehr Werbung als vor einem Jahr, sitzt aber noch immer auf jeder Menge unverkäuflicher Werbeflächen. Der Effekt: Die Twitter-User haben mehr als dreimal so oft mit Reklame interagiert, doch der durchschnittlich erzielte Preis je Interaktion ist auf weniger als die Hälfte des Vorjahreswertes gefallen.

Einer der US-amerikanischen User Twitters

(Bild: @BarackObama)

Von den 595 Millionen Dollar Quartalsumsatz entfielen 467 Millionen auf Werbung, die auf mobilen Endgeräten angezeigt wurde. Weitere 63 Millionen steuerte Desktop-Werbung bei. Den Rest von 64 Millionen hat das Unternehmen vor allem mit dem Verkauf von Daten erzielt.

Mit den 595 Millionen hat Twitter exakt die Untergrenze der eigenen Umsatzprognose getroffen, was das Management auf "geringere Ausgaben für Markenwerbung als erwartet" zurückführt. Zu Deutsch: Die Werbekunden haben einfach nicht so viel Geld bei Twitter eingeworfen, wie erhofft. Für das laufende Quartal rechnet die Geschäftsführung mit einem Umsatz von 600 Millionen Dollar, plus/minus zehn Millionen. Es könnte also schlechter oder besser werden, das kommt darauf an.

Zu Börsenschluss am 27. April 2015 war eine Twitter-Aktie 51,66 US-Dollar wert. Ein Jahr später, zu Börsenschluss am 26. April 2016, waren davon nur 17,75 US-Dollar übrig. Der nachbörsliche Handel zwackte davon noch einmal 13 Prozent ab, so dass am Ende gerade 15,36 Dollar übrig blieben. Ein Minus von gut 70 Prozent in einem Jahr. 20 Prozentpunkte davon hatte es an einem einzigen Tag gesetzt.

Ein bekannter Tweet aus dem September 2015

Dazu kommt, dass die selben Aktien einen immer geringeren Anteil am Unternehmen verbriefen. Mit Stichtag 31. März gab es acht Prozent mehr Twitter-Aktien als zwölf Monate davor. Denn Twitter, wie viele andere Unternehmen auch, bezahlt seine Mitarbeiter zum Teil in eigenen Aktien.

Das erklärt, warum sich Twitters Barschaft trotz fortlaufender Verluste nicht reduziert: Die Ausgabe neuer Aktien geht zu Lasten bestehender Aktionäre, nicht zu Lasten der eigenen Kasse. Dieser konnte Twitter im ersten Quartal 81 Millionen Dollar hinzufügen, sodass darin am Quartalsende rund 3,58 Milliarden Dollar lagen. (ds)

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