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Twitter schleust fremde Tweets ein

Neuerdings bekommen Nutzer Tweets vorgesetzt, die sie gar nicht bestellt haben. Ein Opt-out ist nicht möglich.

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Ohne Aufhebens hat Twitter eine elementare Änderung vorgenommen: In die Timelines der Nutzer werden nun auch Tweets völliger Fremder eingeschleust. Abgesehen von Werbung tauchten dort bisher nur Mitteilungen sowie Retweets von Konten auf, die man bewusst abonniert hatte, oder die auf einer Liste standen, welche man abonniert hatte. War man einer Quelle überdrüssig, konnte man sie wieder abbestellen. Doch ungefragt Tweets Unbekannter vorgesetzt zu bekommen, das ist neu.

(Bild: Screenshot Twitter Hilfe-Center (Hervorhebung durch die Redaktion) )

Der euphemistische Ausdruck "gesponserte Tweets" im Hinweis von Twitter (siehe Screenshot) steht für Reklame. Neu ist der letzte Teil: "...oder für Dich relevante Inhalte". Es werkeln also Algorithmen, die berechnen sollen, was für den jeweiligen Nutzer "relevant" ist, um ihm das dann vorzusetzen.

Abstellen kann man das nicht. Zwar ist es möglich, einzelne Konten zu blockieren; angesichts von mehr als 271 Millionen aktiver Twitter-Konten kann das jedoch zur Sisyphusarbeit ausufern. Ebensowenig kann man verhindern, dass die eigenen öffentlichen Tweets unbedarften Dritten angedient werden. Wahrscheinlich hülfe, alle eigenen Tweets auf privat umzustellen. Diese Extremmaßnahme läuft aber dem Interesse der meisten Twitterer entgegen.

Seit gut einer Woche läuft ein Betatest mit Werbevideos auf Twitter. Werbekunden, Medienunternehmen und ausgewählte Prominente können nun Videowerbung schalten. Sie wird direkt in der Timeline der ausgewählten Zielgruppe angezeigt. Das Video startet nach einem Klick, bezahlt wird pro abgespieltem Video (Cost per View). Twitter führt an, dass Tweets mit eingebettetem Video zu mehr Interaktion mit der Reklame führen.

Übrigens: Seit Dienstag ist das Twitter-Interface im Web sowie auf den Android- und iOS-Apps auch in Bengalisch, Rumänisch, Tschechisch, Ukraïnisch und Vietnamesisch verfügbar. Insgesamt werden nun mehr als 30 Sprachen unterstützt, Beta-Tests nicht mitgerechnet. Der Kurzvideo-Dienst Vine ist in 25 Sprachen verfügbar, nur auf iOS sind es drei weniger. Twitter bedient sich der intensiven Mithilfe Freiwilliger, um die Twitter- und Vine-Interfaces zu übersetzen. (ds)